Alarmierende Studie Arktis-Erwärmung lässt Regierungen schwitzen

Die Arktis erwärmt sich dramatisch, die Gletscher schmelzen dahin: Eine neue Studie kommt zu alarmierenden Ergebnissen. Die Staaten, die den Report verfassen ließen, streiten über Gegenmaßnahmen. Die US-Regierung soll gar versucht haben, die Ergebnisse bis zur Präsidentschaftswahl zu unterdrücken.

Eigentlich sollte der Report über das schmelzende Arktis-Eis erst am 8. November vorgestellt werden. 250 Wissenschaftler aus acht Ländern hatten daran mitgearbeitet. Doch dann wurden Auszüge aus der Studie der Presse zugespielt - und die teilweise alarmierenden Ergebnisse gelangten noch kurz vor der US-Wahl an die Öffentlichkeit.

Die Forscher stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass sich die Arktis fast doppelt so schnell erwärmt wie der Rest der Welt. Die Eiskappe um den Nordpol habe sich in den vergangenen 30 Jahren um 15 bis 20 Prozent verkleinert. Paal Prestrud, zweiter Leiter des Arctic Climate Impact Assessment Reports  (ACIA) machte vor allem Emissionen von Autos, Fabriken und Kraftwerken für den dramatischen Temperaturanstieg verantwortlich, der das Eis immer schneller schmelzen lässt.

Ein Affront für die US-Regierung, die den Einfluss des Klimagases CO2 immer wieder herunterspielt oder generell in Frage stellt. Im Jahr 2001 hatte Präsident George W. Bush den Ausstieg seines Landes aus dem Kyoto-Protokoll verkündet, in dem sich Staaten weltweit zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes verpflichten. Begründet wurde der Schritt damals unter anderem mit den hohen Kosten und den nicht beteiligten Ländern aus der dritten Welt.

Die Autoren des Reports fürchten, dass die Arktis am Ende dieses Jahrhunderts während der Sommer fast eisfrei sein wird. Dauerfrostböden könnten mehr und mehr verschwinden - mit der Folge, dass Straßen und Gebäude instabil würden. Der Lebensraum von Eisbären und Robben werde buchstäblich wegschmelzen. Die Temperaturen in der Arktis sollen den Berechnungen zufolge in den nächsten Hundert Jahren um vier bis sieben Grad steigen.

Bliebe es danach bei diesem Temperaturanstieg, rechnen die Forscher damit, dass das Arktis-Eis innerhalb von 1000 Jahren vollständig verschwindet und der Meeresspiegel in der Folge um sieben Meter steigt. Dicht besiedelte Küstenregionen weltweit würden überschwemmt. Der Anstieg des Meerespiegels wäre allein eine Folge der verschwindenden Eismassen auf dem arktischen Festland, zu dem der größte Teil Grönlands sowie Teile von Russland, Alaska, Kanada, Lappland und Spitzbergen gehören.

Doch es gebe auch positive Effekte steigender Temperaturen, heißt es in der Studie. So ließen sich Gas- und Öllagerstätten leichter anzapfen, die Voraussetzungen für Landwirtschaft im hohen Norden seien besser und die Schifffahrt könne von kürzeren Routen durch die Arktis profitieren.

Nach Berichten von Diplomaten sperren sich vor allem die USA gegen jede drastische Reaktion auf den Arktis-Report. Doch auch unter den anderen sieben Ländern - Russland, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island - herrscht Uneinigkeit über mögliche Konsequenzen.

Die Umweltschutzorganisation WWF warf den acht Sponsoren des Reports Heuchelei vor. Die Länder hätten das Projekt finanziert und seien gleichzeitig für 30 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Auch sei es ihnen nicht gelungen, die Emissionen zu verringern.

"Das große Schmelzen hat begonnen", sagte Jennifer Morgan, Leiterin der Klimakampagne von WWF. Die Industriestaaten würden die Arktis als Versuchskaninchen für ein unkontrolliertes Experiment über den Klimawandel benutzen.

Am Wochenende hatten 60 Wissenschaftler auf einer internationalen Klimakonferenz in Peking ebenfalls vor den Folgen der globalen Erwärmung gewarnt. Sie lasse das Eis am Nord- und Südpol schneller schmelzen als bisher erwartet. Der Treibhauseffekt löst nach Warnungen der Forscher auch immer mehr Naturkatastrophen wie jüngst die Hurrikane in der Karibik, die Taifune im Westpazifik sowie Dürren und Überschwemmungen aus.

"Es gibt große Gefahren durch Klimaveränderungen, wenn nicht drastische Maßnahmen ergriffen werden", sagte am Sonntag der Ozeanexperte und Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Er sprach von "alarmierenden Beobachtungen" am Nordpol und in der westlichen Antarktis. Der Meeresspiegel steige schneller als erwartet, auch drohten Veränderungen der Meeresströme. Rahmstorf warnte vor einem "völligen Zusammenbruch des Nordatlantikstroms", der in Europa zu einer abrupten Abkühlung und einem Anstieg des Meeres um einen Meter führen würde.

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