Alternative zum Torfabbau Mit Moos die Moore retten
Torfmoos habe ein großes Potenzial als nachwachsender Rohstoff und eigne sich als Alternative für Torf, sagt der Leiter des Botanischen Instituts der Hochschule, Michael Succow. Der Abbau von weltweit 30 Millionen Kubikmetern Torf für den Gartenbau vernichtet laut Succow die sensiblen Feuchtgebiete im großen Stil.
Mit dem Moos könne dieser Raubbau an den Mooren verhindert werden und gleichzeitig die Versorgung von Gartenbaubetrieben mit hochwertigem Substrat für die Zierpflanzen- und Gemüsezucht sichergestellt werden. Auf das Torfmoos stieß Succow bei seinen Reisen zur Erforschung der Moore in Mittel- und Osteuropa.
Die Hochmoore litten seit Jahrhunderten extrem unter Trockenlegung für die Landwirtschaft und unter dem Torfabbau für Heizzwecke, sagt der Botanik-Professor. Jetzt, da die Torfvorräte in West- und Mitteleuropa nahezu aufgebraucht seien, wichen Großverbraucher wie Deutschland und die Niederlande verstärkt ins Baltikum, nach Skandinavien und Weißrussland aus. Damit geraten auch die dortigen Hochmoor-Lebensräume mit ihrer wichtigen Naturschutz- und Klimafunktion in Gefahr, wie Succow voraussagt.
Wachstum nur ein Millimeter pro Jahr
Das Greifswalder Institut für Botanik und Landschaftsökologie will deshalb den systematischen Torfmoosanbau für die Versorgung des Gartenbaus entwickeln. Erste Versuche seien Erfolg versprechend, heißt es. Die Wissenschaftler halten die Kultivierung von Torfmoosen für eine sinnvolle, technisch und ökonomisch machbare Lösung. Neben dem Effekt landwirtschaftlicher Nutzung von ehemaligen Torfabbaugebieten ist demnach auch die Renaturierung einstiger Hochmoorstandorte möglich.
Torfbildung ist allerdings ein langwieriger Prozess: Ein Hochmoor wächst aus abgestorbenem Torfmoos und anderen Pflanzen pro Jahr nur einen Millimeter. Hochmoore von bis zu zehn Metern Stärke brauchen also Jahrtausende für ihren Aufbau. Weil aber für die Nutzung als Nährbodensubstrat im Gartenbau die Vertorfung nicht nötig ist, sind beim Torfmoos-Anbau Ernteintervalle von fünf bis zehn Jahren angedacht, sagt Succows Kollegin Greta Gaudig. Erste Versuche hätten gezeigt, dass sich bereits Moos-Frischmasse als Substrat für den Gartenbau gut eigne. Noch untersucht werden muss aber demnach, inwieweit ein Substrat aus abgeernteten reinem Torfmoos oder eine Mischung mit Erde oder Rinden optimal ist.
Feldversuch in Niedersachsen
Die Greifswalder kooperieren dabei mit dem Bodentechnologischen Institut Bremen, der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Hannover und der Torfindustrie. Im niedersächsischen Saterland läuft ein erster Feldversuch zur Moos-Ansiedlung auf einer abgetorften Fläche an. "Es gilt einen Rohstoff zu ernten, der im Gartenbau ähnliche Wirkungen zeigt, wie der bislang eingesetzte Naturtorf", sagt Barbara Wenig von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) des Bundes im mecklenburgischen Gülzow.
Lutz Jordan, AP