Auswertung für Juli Amazonas-Regenwald brennt heftiger als im Katastrophenjahr 2019

Fast 7000 Feuer loderten vergangenen Monat in Brasiliens Amazonas-Regenwald. Umweltschützer fürchten, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für das sensible Ökosystem seit Langem werden könnte.
Feuer in Brasilien: Anstieg der Brände um 28 Prozent

Feuer in Brasilien: Anstieg der Brände um 28 Prozent

Foto: Christian Braga/ dpa

Im Sommer 2019 machten schwere Brände im Amazonas-Regenwald weltweit Schlagzeilen. In diesem Jahr brennt es wieder, doch durch die Coronakrise ist das Thema in den Hintergrund gerückt. Dabei ist die Situation in Brasilien nun noch dramatischer als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr.

In den neun brasilianischen Bundesstaaten mit Anteilen am Amazonas-Becken stieg die Zahl der Brände im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 20 Prozent, berichtet das Nationale Institut für Weltraumforschung Inpe .

Demnach wurden im Juli dieses Jahres 6804 Feuer registriert, 5318 waren es im Juli 2019. Das entspricht einem Anstieg um 28 Prozent.

Mit den Zahlen werden Befürchtungen verstärkt, dass das Jahr 2020 für den Regenwald in Brasilien über die gesamte Zeit gesehen noch schlimmer werden könnte als das Vorjahr, in dem der Wald schon großflächig in Flammen stand.

Heftigster Feuertag in einem Juli seit 15 Jahren

Allein am Donnerstag machten die Satelliten 1007 Feuer in Amazonien aus. Es ist Greenpeace Brasil zufolge der 15-Jahres-Rekord an Feuern für einen Juli-Tag. Bereits für den Juni dieses Jahres hatte Inpe eine Rekordentwaldung gemeldet: Damals wüteten so viele Feuer wie seit 13 Jahren nicht.

Auslöser der Waldbrände sind häufig illegale Rodungen. Im Juni beginnt in der Amazonas-Region die Trockenzeit, in der viele Brände ausbrechen. Sie könnten das gesamte Ökosystem des Waldes gefährden.

"Der Regenwald braucht mindestens hundert Jahre, um sich zu erholen", sagte der Umweltforscher Rico Fischer vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig im Zusammenhang mit den Bränden im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem SPIEGEL.

Bereits im Mai 2020 hatte der WWF gewarnt, dass die Abholzung des Regenwaldes dramatisch zugenommen habe - auch weil Kontrollbehörden wegen der in Brasilien besonders heftigen Corona-Pandemie nur eingeschränkt hätten arbeiten können.

Ressourcen für den Umweltschutz gekürzt

Mitte Juli hatten Umweltminister Ricardo Salles und Präsident Jair Bolsonaro das Abbrennen von Flächen im Amazonas-Gebiet und im Pantanal, dem größten Sumpfgebiet der Welt, für 120 Tage verboten. Die Regierung plant zudem, die Streitkräfte des Landes bis 2022 im Kampf gegen Abholzung und Brände im Amazonas-Gebiet einzusetzen.

Umweltschutzorganisationen sehen die Pläne allerdings kritisch. Bolsonaro befürwortet grundsätzlich die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonasgebiets und hat die finanziellen und personellen Ressourcen für den Umweltschutz zuletzt drastisch gekürzt.

"Das Dekret, das die Brände auf dem Papier verbietet, funktioniert nicht, wenn es im Feld nicht auch mehr Überwachung gibt", sagte Greenpeace-Aktivist Rômulo Batista. 2020 könnte somit das zerstörerischste Jahr seit Langem für den größten Regenwald der Erde werden, befürchten Umweltschützer.

jme/dpa/AFP
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