Amazonas Riesenspinne frisst Opossum

Es raschelte verdächtig, als sich ein Forscherteam im Amazonas nachts auf die Lauer legte. Die Wissenschaftler entdeckten eine Vogelspinne bei einem ungewöhnlichen Beutefang.

REUTERS

"Wir konnten nicht glauben, was wir da sahen", erzählt Michael Grundler. Der Biologiedoktorand von der University of Michigan war mehrfach auf Forschungsexpeditionen im Dschungel des Amazonas unterwegs, um die dortige Tierwelt zu erforschen. Die Wissenschaftler interessierten sich vor allem für die dortigen Gliederfüßer, sogenannte Arthropoden. Zu dem Tierstamm gehören beispielsweise Spinnen, Krebse oder Tausendfüßer. Nachts legten sich die Forscher auf die Lauer, denn dann sind die meisten Gliederfüßer am aktivsten.

Während einer der nächtlichen Streifzüge in Peru hörten Grundler und zwei weitere Studenten ein Rascheln. "Wir sahen uns um und entdeckten eine riesige Tarantel auf einem Opossum", erzählt Grundler. "Die Vogelspinne hatte das Opossum bereits gepackt, das aber noch kämpfte. Doch nach 30 Sekunden hörte das Opossum auf zu treten", erzählt Grundler. Die Spinne sei in etwa so groß wie ein Suppenteller gewesen, das Opossum so groß wie ein Softball. Die drei Forscher fotografierten und filmten die Szene mit einem Smartphone.

Später zeigten sie die Bilder Robert Voss, einem Opossum-Experten vom American Museum of Natural History in New York. Die Aufnahmen seien einzigartig, weil sie erstmals dokumentierten, wie genau eine Spinne ein Opossum erbeutet, sagt Voss. Die Spinne gehört demnach zur Unterordnung der Mygalomorphae, der Vogelspinnartigen, zu der auch Taranteln zählen. "Wir wussten, dass wir etwas ganz Besonderes gesehen hatten, aber uns war nicht klar, dass wir die Ersten waren, die so etwas beobachtet konnten", sagt Grundler.

Die meisten Raubspinnen haben spezialisierte Körperteile wie Fangzähne, um ihre Beutetiere festzuhalten. Einige lähmen ihre Opfer auch mit Gift. Zu welcher Art die Spinne aus dem Amazonas gehört, ist unklar. Bei der Beutelratte handelt es sich wahrscheinlich um ein Mausopossum. Die Art ist heimisch in Südamerika und wird bis zu zwölf Zentimeter lang.

Während ihrer Forschungsreise haben die Wissenschaftler auch weitere ungewöhnliche Beutezüge von Gliederfüßern dokumentiert. In einer aktuellen Studie, die im Fachblatt "Amphibian & Reptile Conservation" erschienen ist, schildern sie ingesamt 15 Beobachtungen.

Darunter sind mehrere Beispiele von großen Spinnen der Familie Ctenidae, die Frösche und Eidechsen jagen. Die Spinnen warten auf zufällig vorbeikommende Beute und schlagen schnell zu. Mit speziellen Haaren können sie auch kleinste Vibrationen in der Luft wahrnehmen. Zudem verfügen sie über mehrere Augenpaare. Die Primäraugen können Objekte erkennen, die Sekundäraugen Bewegungen.

Zudem beobachteten die Forscher große Tausendfüßer, die Schlangen verspeisten. Einer fraß sogar eine Korallenschlange, nachdem er diese enthauptet hatte. Diese Beobachtung habe die Forscher besonders überrascht. Denn das Gift der Korallenschlange ist selbst für Menschen tödlich.

koe

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