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Amerikanische Seuche Hirschwahnsinn ansteckender als BSE

In den USA und Kanada droht die rasante Ausbreitung der Hirschkrankheit CWD, die dem Rinderwahnsinn ähnelt. Die Tiere stecken sich leichter an als bisher gedacht. Forscher fordern härtere Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Chronic Wasting Disease (CWD) ist nach neuen Erkenntnissen weitaus ansteckender als die Rinderseuche BSE. Die Symptome des Hirnleidens ähneln sich bei Hirschen und Rindern stark: Im Gehirn der Tiere bilden sich schwammartige Strukturen. Der Grund liegt in einem kleinen Eiweißmolekül, dessen Struktur sich verändert hat. An CWD erkrankte Hirsche magern ab, verhalten sich wirr und sterben schließlich.

In einigen Regionen der USA und Kanadas sind schon mehr als zehn Prozent der Tiere infiziert. Ob sich die Krankheit auch auf den Menschen überträgt, ist unter Wissenschaftlern zwar umstritten. Dennoch fordern die Forscher einen strengeren Umgang mit der Seuche. Eine aufwändige Beobachtung der Hirsche werde über Jahrzehnte hinweg notwendig sein - und Tausende Tiere müssten möglicherweise geschlachtet werden. Nur so sei das Problem in den Griff zu bekommen.

Die neuen Erkenntnisse über die Übertragungsgeschwindigkeit von CWD sind in der Tat alarmierend. Wie leicht das Hirnleiden bei Maultierhirschen von einem Tier zum anderen übertragen wird, beobachteten Michael Miller und Elizabeth Williams vom Wildlife Research Center in Fort Collins im US-Staat Colorado. Sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn lebende Tiere stehen oft sehr nah beieinander - vor allem im Winter, wenn sich die Hirsche auf diese Weise gegenseitig wärmen. Das begünstige die Ausbreitung der Krankheit enorm, erklärten die Forscher nun im britischen Fachmagazin "Nature". Die Ansteckung im Mutterleib sei für die Ausbreitung der Seuche dagegen kaum von Bedeutung.

Die Forscher hatten das Hirnleiden in zwei Gruppen von Maultierhirschen untersucht. Eine Herde bestand aus Nachkommen CWD-infizierter Mütter, die zweite aus Kälbern gesunder Hirschkühe. Nach einigen Monaten wurden beide Gruppen gemischt. Fast alle Tiere erkrankten in den folgenden vier Beobachtungsjahren an CWD - unabhängig von ihrer Herkunft.