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25. August 2015, 10:38 Uhr

Dramatisches Fischsterben

Nach Brand läuft Ammoniumnitrat in deutsche Flüsse

Etwa vier Tonnen toter Fisch wurden bereits aus der Jagst geholt. Nach einem Brand war mit Ammoniumnitrat kontaminiertes Wasser in den Fluss gelaufen. Nun erreicht das Gift den Neckar - es gibt eine Gesundheitswarnung.

Mit Ammoniumnitrat kontaminiertes Löschwasser, das bei Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg ein großes Fischsterben ausgelöst hat, wird nach Behördeneinschätzung in den kommenden Tagen in den Neckar fließen. Das Landratsamt Heilbronn rät Menschen dringend davon ab, im Fluss zu baden, zu fischen, Wasser zu entnehmen oder Kanu zu fahren. Die Gesundheit sei in Gefahr. Die Warnung gilt bis zum kommenden Montag.

Das verunreinigte Löschwasser war nach einem Brand in einem Mühlenbetrieb in der Kleinstadt Kirchberg an der Jagst in der Nacht zum Sonntag in den Nebenfluss des Neckars gespült worden. Das Feuer richtete einen Schaden in Millionenhöhe an. Die Brandursache ist bislang unklar.

Von der Verschmutzung sind bislang hauptsächlich Fische betroffen. Rund vier Tonnen tote Fische seien bislang aus der Jagst gesammelt worden - "Tendenz steigend", berichtet ein Polizist. "Wir sprechen von einem dramatischen Fischsterben."

Bei dem Feuerwehreinsatz mischte sich nach Angaben des Polizeisprechers wahrscheinlich hochgiftiges Ammoniumnitrat aus Düngemitteln mit dem Löschwasser.

Das aus Ammoniak und Salpetersäure gewonnene Ammoniumnitrat ist als Düngemittel besonders geeignet, weil es chemisch gebundenen Stickstoff enthält. Ammoniumnitrat wird wegen der großen Explosionsgefahr in der Regel nur in Mischungen als Dünger verwendet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von mit Ammoniak kontaminiertem Löschwasser die Rede. Tatsächlich ist das Löschwasser aber mit Ammoniumnitrat kontaminiert. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

jme/dpa

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