Dramatisches Fischsterben Nach Brand läuft Ammoniumnitrat in deutsche Flüsse

Etwa vier Tonnen toter Fisch wurden bereits aus der Jagst geholt. Nach einem Brand war mit Ammoniumnitrat kontaminiertes Wasser in den Fluss gelaufen. Nun erreicht das Gift den Neckar - es gibt eine Gesundheitswarnung.

Brand in Kirchberg an der Jagst: Schaden in Millionenhöhe und Ammoniumnitrat im Fluss
Harald Zigan

Brand in Kirchberg an der Jagst: Schaden in Millionenhöhe und Ammoniumnitrat im Fluss


Mit Ammoniumnitrat kontaminiertes Löschwasser, das bei Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg ein großes Fischsterben ausgelöst hat, wird nach Behördeneinschätzung in den kommenden Tagen in den Neckar fließen. Das Landratsamt Heilbronn rät Menschen dringend davon ab, im Fluss zu baden, zu fischen, Wasser zu entnehmen oder Kanu zu fahren. Die Gesundheit sei in Gefahr. Die Warnung gilt bis zum kommenden Montag.

Das verunreinigte Löschwasser war nach einem Brand in einem Mühlenbetrieb in der Kleinstadt Kirchberg an der Jagst in der Nacht zum Sonntag in den Nebenfluss des Neckars gespült worden. Das Feuer richtete einen Schaden in Millionenhöhe an. Die Brandursache ist bislang unklar.

Von der Verschmutzung sind bislang hauptsächlich Fische betroffen. Rund vier Tonnen tote Fische seien bislang aus der Jagst gesammelt worden - "Tendenz steigend", berichtet ein Polizist. "Wir sprechen von einem dramatischen Fischsterben."

Bei dem Feuerwehreinsatz mischte sich nach Angaben des Polizeisprechers wahrscheinlich hochgiftiges Ammoniumnitrat aus Düngemitteln mit dem Löschwasser.

Das aus Ammoniak und Salpetersäure gewonnene Ammoniumnitrat ist als Düngemittel besonders geeignet, weil es chemisch gebundenen Stickstoff enthält. Ammoniumnitrat wird wegen der großen Explosionsgefahr in der Regel nur in Mischungen als Dünger verwendet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von mit Ammoniak kontaminiertem Löschwasser die Rede. Tatsächlich ist das Löschwasser aber mit Ammoniumnitrat kontaminiert. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

jme/dpa

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insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
herm16 25.08.2015
1. das
war ja sehr stuemperhaft. Eigentlich müsste eine Feuerwehr schon wissen was Sache ist.
zoza97 25.08.2015
2. Spon..
hat hier leider ein wichtiges Detail vergessen. Die Feuerwehr ist so wie es sich darstellt nicht "schuld"... "Das Löschwasser sei in einem Löschwasserrückhaltebecken vorschriftsgemäß aufgefangen worden. Während des Löschens habe die Feuerwehr durch Abpumpen des Beckens einen Überlauf verhindert. Gleichzeitig wurde zur Sicherheit der Überlaufkanal des Beckens durch die Feuerwehr verschlossen. Am Sonntagmorgen habe der Gewässerwart, ein Mitglied der Feuerwehr, unterhalb der Brandstelle das Fischsterben dann festgestellt. Untersuchungen ergaben, dass verunreinigtes Löschwasser durch einen Damm in den Mühlkanal gesickert ist. Der Löschwasserrückhaltebehälter wurde daraufhin sofort geleert, teilt das Landratsamt weiter mit" Nachzulesen auf der SWR seite....
dave_t 25.08.2015
3. Tianjin und andere hinkende Vergleiche
... bevor jetzt die ersten triumphierend aufheulen und "kein Deut besser als in China" rufen: Der Unterschied ist, daß das bei uns in der Zeitung steht, und die Regierung keine Blogger verhaftet, die über das Fischsterben berichten. Unglücke gibt es immer wieder und überall - der Umgang mit ihnen macht den Unterschied. Und nein, auch der ist bei uns nicht immer so, wie er sein sollte. Aber der Unterschied ist der: Wenn bei uns aufgedeckt wird, daß staatliche Stellen einen Sachverhalt unterdrücken wollten, dann wird unser politisches System dadurch nicht geschwächt, sondern es beweist im Gegenteil seine Stärke. Anders in China - hier kratzt jedes staatliche Versagen am Nimbus der Unfehlbarkeit der politischen Führung. Bis irgendwann der Punkt kommt an dem der Junge ruft: "Aber er ist ja nackt"
PowlPoods 25.08.2015
4. Das
bisschen Umweltverschmtzung ist doch keine grosse Sache. Hier gehts um Arbeitsplätze, da muss man manchmal auch eine Ammoniakkröte schlucken. Die sollen sich nicht so anstellen da am Neckar.
helmutderschmidt 25.08.2015
5. Bei uns ist (aber) auch nicht alles Gold was glänzt!
Zitat von dave_t... bevor jetzt die ersten triumphierend aufheulen und "kein Deut besser als in China" rufen: Der Unterschied ist, daß das bei uns in der Zeitung steht, und die Regierung keine Blogger verhaftet, die über das Fischsterben berichten. Unglücke gibt es immer wieder und überall - der Umgang mit ihnen macht den Unterschied. Und nein, auch der ist bei uns nicht immer so, wie er sein sollte. Aber der Unterschied ist der: Wenn bei uns aufgedeckt wird, daß staatliche Stellen einen Sachverhalt unterdrücken wollten, dann wird unser politisches System dadurch nicht geschwächt, sondern es beweist im Gegenteil seine Stärke. Anders in China - hier kratzt jedes staatliche Versagen am Nimbus der Unfehlbarkeit der politischen Führung. Bis irgendwann der Punkt kommt an dem der Junge ruft: "Aber er ist ja nackt"
Bei uns ist (aber) auch nicht alles Gold was glänzt! Das sieht man ja hier sehr deutlich! Um Fabriken bzw. deren Lagerstätten von hochgiftigen Materialien... müssten doch ungedingt Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden... um so eine Schweinerei, wie hier bei Schwäbisch Hall, zu verhindern.
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