Eingeschleppte Krankheit Aggressiver Pilz tötet Tausende Amphibien

Ein eingeschleppter Pilz bedroht seit Jahrzehnten Hunderte Amphibienarten in Amerika und Australien. 90 Arten gelten bereits als ausgestorben. Verantwortlich ist auch der Mensch.

Gefährdet durch den aggressiven Pilz: Mossy Red-Eyed Frosch in Honduras
Jonathan E. Kolby/Honduras Amphibian Rescue & Conservation Center/dpa

Gefährdet durch den aggressiven Pilz: Mossy Red-Eyed Frosch in Honduras


Eine besonders aggressive Pilzerkrankung hat innerhalb von 50 Jahren die Bestände von mehr als 500 Amphibienarten rund um den Globus dezimiert. In 90 Fällen gelten die Spezies bereits als in der Natur ausgestorben, schreiben Forscher in einer umfassenden Untersuchung zur Krankheit Chytridiomykose in der Fachzeitschrift "Science".

Zusammengetragen hat die Daten ein Team um Ben Scheele von der Australian National University in Canberra (Australien). "Die Krankheit wird durch einen Chytridpilz verursacht, der wahrscheinlich aus Asien stammt, wo lokale Amphibien resistent gegen die Krankheit zu sein scheinen", berichtet Scheele.

Scheele macht den Menschen für die Ausbreitung des Pilzes verantwortlich: "Die Globalisierung und der Handel mit Wildtieren sind die Hauptursachen dieser globalen Pandemie und ermöglichen die weitere Ausbreitung von Krankheiten."

Pilz ist überall vorhanden, aber nicht überall gefährlich

Aus Roten Listen, Fachliteratur und Gesprächen mit Amphibienexperten aus aller Welt haben die Forscher eine Übersicht über die Auswirkungen der Chytridiomykose erstellt. Verursacht wird die Krankheit durch Batrachochytrium dendrobatidis, einem Pilz, der zu einer Gruppe von sonst harmlosen Boden- und Wasserpilzen gehört.

"Espadas Marsupial Frog": Pilzkrankheit zeig sich bei 6,5 Prozent der bekannten Amphibien
Tiffany Kosch/Science/dpa

"Espadas Marsupial Frog": Pilzkrankheit zeig sich bei 6,5 Prozent der bekannten Amphibien

Vom Pilz betroffen sind vor allem Froschlurche und Schwanzlurche in Mittel- und Südamerika sowie Australien. In den übrigen Erdteilen ist der Pilz zwar vorhanden, löst aber nur bei wenigen Arten die Krankheit aus. Insgesamt zeigt sich die Chytridiomykose bei 6,5 Prozent der wissenschaftlich beschriebenen Amphibien.

Einige Arten haben Resistenzen entwickelt

Aus ihren Daten haben die Wissenschaftler einige Risiken zusammengetragen: Die Population geht vor allem bei Arten zurück,

  • die einen großen Körper haben,
  • die in ständig feuchten Gebieten leben und
  • die eng mit Wasserlebensräumen verbunden sind.

Dass der Pilz so gefährlich ist, hat mehrere Gründe: Er kann viele verschiedene Arten befallen und nutzt die Arten, die nicht durch ihn krank werden, als Überlebensraum. Außerdem kann er sich im Wasser ausbreiten. Der Pilz greift die Haut der Tiere an, was problematisch für Lebewesen ist, die auch über die Haut atmen. Einige Arten scheinen aber Resistenzen gegen die Krankheit zu entwickeln (mehr dazu lesen Sie hier).

In einem Kommentar zur Studie plädieren Dan Greenberg und Wendy Palen von der Simon Fraser University im kanadischen Burnaby dafür, dass die Erkenntnisse aus der Studie genutzt werden sollten, um zu verhindern, dass sich der Pilz weiter ausbreitet. Der Verlust von Lebensräumen und der Klimawandel gehörten nach wie vor zu den Hauptbedrohungen für Tausende von Arten. Sie empfehlen, Lebensräume zu schützen, das Sammeln wilder Tiere zu beschränken und den Handel mit Tieren einzudämmen.

jme/dpa



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