Antarktis Aktivisten drohen, Walfänger zu rammen

Eine militante Gruppe von Umweltschützern hat offen angedroht, Schiffe der japanischen Walfangflotte zu rammen. Australiens Regierung warnte die Aktivisten: Eine Rettungsaktion in den eiskalten und rauen Gewässern der Antarktis wäre extrem problematisch.


Die Aktivistengruppe Sea Shepherd ist um einiges radikaler als etwa Greenpeace. Auch Greenpeace ist mit einem Schiff auf der Fährte des japanischen Walfängers "Nisshin Maru" und der übrigen Fangflotte, will aber strikt gewaltlos gegen die Waljäger vorgehen. Paul Watson, der Kapitän des Schiffes von Sea Shepherd, sagte der Nachrichtenagentur AFP dagegen, man werde die Schiffe der japanischen Fangflotte rammen, wenn man sie in flagranti erwische.

Sea-Shepherd-Schiff "Steve Irwin": "Ich glaube, sie haben wirklich Angst"
Chantal Henderson / Sea Shepherd

Sea-Shepherd-Schiff "Steve Irwin": "Ich glaube, sie haben wirklich Angst"

"Ich glaube, sie haben wirklich Angst", sagte Watson in einem Telefoninterview. Die japanischen Walfänger seien "abgehauen" als das Schiff von Sea Shepherd auftauchte und seien seitdem "auf der Flucht". Man werde im Zweifel mit Ramm-Attacken zu verhindern versuchen, dass die Japaner Harpunen auf Wale abfeuerten, so Watson. Aber: "Das ist etwas, wobei wir sehr vorsichtig sein müssen, weil die Gewässer hier unten sehr abgelegen und sehr rau sind."

Watson hat schon eine Hochsee-Kollision hinter sich

Watson posiert gern vor Piratenflaggen und übt sich in martialischer Rhetorik. In einer Pressemitteilung seiner Organisation wird der Kapitän mit folgenden Worten zitiert: "Ich zweifle nicht daran, wovor die weglaufen. Sie wissen, dass wir sie nicht einholen wollen, um ein Foto von ihnen zu machen." Watson bezeichnet die japanischen Walfänger als "Feiglinge", die "beim ersten Anzeichen von Vergeltung" Angst bekämen. Man habe nicht vor, die Crew zu verletzen, aber "wir können in jedem Fall ihre Ausrüstung beschädigen". Im Februar 2007 war es schon einmal zu einer Kollision zwischen einem von Watson befehligten Schiff und einem Walfänger gekommen - Schaden nahm damals allerdings vor allem das Sea-Sheperd-Fahrzeug. Auch in diesem Fall hatte Watson seine Aktion vorher angekündigt, ja sogar ein Preisgeld von 25.000 Dollar für Angaben über die Position japanischer Walfänger ausgelobt.

Eine erneute Kollision könnte in den eisigen Gewässern um die Antarktis schnell lebensgefährlich werden. Die australische Regierung, die sich federführend gegen den japanischen Walfang engagiert, hat bereits gewarnt: Ramm-Manöver in dieser Region seien hochriskant, weil das Wasser kalt, die See rau, und somit Rettungsaktionen extrem schwierig seien.

"Alles innerhalb der Grenzen nicht-gewalttätiger Aktionen"

Japans Walfangflotte beruft sich auf einen Passus im Fang-Moratorium von 1996, der die Waljagd zu wissenschaftlichen Zwecken gestattet. Japan gibt allerdings zu, dass die angeblich zu Forschungszwecken erlegten Wale am Ende auf den Tellern von Walfleisch-Fans in Japan landen.

Das Greenpeace-Schiff "Esperanza" soll Sichtkontakt zur "Nisshin Maru" haben, das Sea-Shepherd-Schiff "Steve Irwin" verfolge die beiden und hole permanent auf, so die Organisation. Das Schiff hat nach Angaben von Sea Shepherd noch Sprit für 30 weitere Tage Verfolgungsjagd an Bord.

Karli Thomas vom Greenpeace-Schiff "Esperanza" sagte, man habe die Nisshin Maru bereits am Samstagmorgen eingeholt. "Solange wir sie in die Flucht schlagen können, können wir die gesamte Flotte vom Walfang abhalten", sagte die Aktivistin. Man sei darauf vorbereitet, eigene Boote zwischen die Harpunen der Japaner und die Wale zu steuern, sollte es soweit kommen. Rabiate Methoden, wie Watson sie ankündigt, will Greenpeace nicht anwenden: "Wir werden innerhalb der Grenzen nicht-gewalttätiger direkter Aktionen alles tun, um sie davon abzuhalten, Wale zu töten."

cis/AFP



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