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08. März 2019, 04:40 Uhr

Grüne Eisberge

Das Waldmeister-Rätsel zur See

Immer wieder haben Schiffsbesatzungen in der Antarktis von grünen Eisbergen berichtet. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Das war wohl kein Seemannsgarn.

Das erste Mal sah Mark Curran die wundersamen Dinger im Jahr 1992. Der australische Glaziologe fuhr gerade auf dem Forschungseisbrecher "Aurora Australis" durch die Prydz Bay, eine 150 Kilometer ins Landesinnere ragende Einbuchtung an der Küste der Antarktis. Dabei fielen ihm im Wasser schwimmende Eisberge auf, die er so noch nie gesehen hatte: Sie waren grün. "Niemand konnte mir sagen, was für die Farbe verantwortlich ist", so der Forscher heute.

Auch zuvor hatten Seefahrer und Wissenschaftler immer wieder einmal von solchen verblüffenden Beobachtungen berichtet. Zusammen mit Kollegen stellt Curran, der bei der Australian Antarctic Division arbeitet, nun im Fachmagazin "Journal of Geophysical Research Oceans" eine neue Theorie zur Entstehung der grünen Eisberge vor. Leiter der Studie war Steve Warren von der University of Washington in Seattle. Er hatte das grüne Eis erstmals 1988 am Amery-Schelfeis gesehen, das in die Prydz Bay mündet.

Normalerweise sind Eisberge weiß oder blau. Im Eis eingeschlossene Luftbläschen streuen einfallendes Licht und sorgen für eine weiße Farbe. Blau schimmert das Eis dagegen, wenn es nur wenig Bläschen gibt. In diesem Fall wird ein Teil des Lichts durch das Eis absorbiert - die roten, orangefarbenen, gelben und grünen Wellenlängenanteile werden geschluckt, die blauen nicht.

Gletscher mahlen Gestein zu Pulver, das gelangt ins Meer

Und so entstehen die grünen Riesen: Grundvoraussetzung ist ein blauer Eisberg. Wenn an dessen Unterseite dann organische und anorganische Verbindungen festfrieren, die durch die Bildung weiterer Eisschichten langsam eingeschlossen werden, ist eine weitere Bedingung erfüllt. Entscheidend ist laut den Forschern jedoch, dass sich darunter auch bestimmte Eisenverbindungen befinden. Diese stammen von zermahlenem Gestein vom antarktischen Festland, das ins Meerwasser gelangt ist.

Für sich genommen würden sie eigentlich für eine gelbe bis rote Farbe des Eises sorgen. In Kombination mit dem ohnehin schon bestehenden Blauton entsteht daraus jedoch Grün. Sichtbar wird das Ganze aber nur, wenn der Eisberg beim Prozess des Abschmelzens umkippt - und seine Unterseite auf einmal über Wasser ragt.

Frühere Theorien hatten angenommen, dass der Einschluss organischen Materials - zum Beispiel Phytoplankton - für den spektakulären Farbton verantwortlich ist. Doch von solchem Material fände sich in den beobachteten Eisbergen schlicht zu wenig, um den Effekt zu erklären, so die Forscher. Stattdessen gebe es Auffälligkeiten bei der Eisenkonzentration. Sie sei in den grünen Bereichen teils 500-mal höher als im Gletschereis.

Einen Zusammenhang mit dem Phytoplankton gibt es trotzdem. Die Forscher gehen davon aus, dass die schwimmenden grünen Berge für das Wachstum der winzigen Organismen in manchen Bereichen des Südozeans verantwortlich sind. Denn die Eisenverbindungen im Eis dienen den Mini-Kreaturen am Fuß der Nahrungspyramide als Nährstoffe.

"Es ist, als würde man ein Paket auf die Post bringen", erklärt Forscher Warren. "Der Eisberg kann das Eisen weit hinaus in den Ozean bringen und dann beim Schmelzen an das Phytoplankton abgeben, das es als Nährstoff nutzen kann." Man habe die grünen Eisberge lange Zeit für eine exotische Kuriosität gehalten. "Aber jetzt denken wir, dass sie wirklich wichtig sind."

chs

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