Antarktis Wichtiger Eisschild könnte innerhalb der nächsten Jahre zerbrechen

Im Westen der Antarktis sorgt der Thwaites-Gletscher dafür, dass das Eis vom Kontinent nicht ins Meer rutscht. Doch nun haben Wissenschaftler entdeckt: Ein Teil des Schelfeises verliert an Halt und könnte auseinanderbrechen.
Dem Thwaites-Gletscher im Westen der Antarktis kommt eine entscheidende Rolle im Klimasystem zu

Dem Thwaites-Gletscher im Westen der Antarktis kommt eine entscheidende Rolle im Klimasystem zu

Foto: AFP/ NASA

Im Westen des antarktischen Kontinents liegt der Thwaites-Gletscher, eine Eismasse, deren Größe die Fläche von Tschechien, Österreich und der Schweiz zusammen übertrifft. Das Schmelzwasser dieses Gletschers allein ist für rund vier Prozent des weltweiten Meeresspiegelanstiegs verantwortlich.

Und nun bekommt der Gletscher Risse. Ein 45 Kilometer breiter Eisschild am Ende des Gletschers – dort, wo das Eis auf das Polarmeer trifft – könnte auseinanderbrechen, schon in den kommenden fünf Jahren. So berichteten es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen  auf einer Tagung der Non-Profit-Organisation American Geophysical Union.

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In einem Artikel in der Fachzeitschrift »Science«  wird der Hintergrund erläutert.

Mittlerweile ziehen sich demnach beinahe durch die gesamte Fläche des Schelfeises diagonale Risse. In den vergangenen Monaten hätten Satellitenbilder gezeigt, dass sich die Bewegung des Eises entlang dieser Risse beschleunige, sagte die Wissenschaftlerin Erin Pettit. Sie forscht als Glaziologin an der Oregon State University. Man könne sich das Schelfeis des Gletschers vorstellen wie eine Windschutzscheibe, in der sich langsam Risse ausbreiten, sagt sie: »Man denkt sich: Ich sollte mir eine neue Windschutzscheibe kaufen. Und eines Tages – peng – gibt es dort eine Million weiterer Risse.« Ähnlich werde auch das östliche Schelfeis zerbersten – »wahrscheinlich in Hunderte von Eisbergen«.

Wenn das Schelfeis zerbricht, sei zu erwarten, dass große Teile des Gletschers viel schneller ins Meer fließen. Noch bremse der Eisschild den Fluss. Doch im schlimmsten Fall könnte sich die Fließgeschwindigkeit des Gletschers an dieser Stelle verdreifachen. Sein Beitrag zum globalen Anstieg des Meeresspiegels würde um mindestens einen Prozentpunkt ansteigen, sagte Pettit.

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Droht ein Meeresspiegelanstieg von 65 Zentimetern?

Doch das ist nicht alles. Denn weil das Schelfeis schwächelt, dringt von unten wärmeres Wasser weiter an den Gletscher heran. Es sei wahrscheinlich, beschrieben die Forschenden ihre Erkenntnisse, dass sich wärmeres Wasser seinen Weg unter den Gletscher bahne und ihn von der Landmasse löse.

Ein Kollaps des Thwaites-Gletschers – zu dem es nach Ansicht mancher Wissenschaftler bereits in wenigen Jahrhunderten kommen könnte – hätte einen Meeresspiegelanstieg von 65 Zentimetern im weltweiten Mittel zur Folge. Und würde eine Kettenreaktion auslösen: Wäre der Thwaites-Gletscher verschwunden, würden benachbarte Gletscher in sein tieferliegendes Becken fließen. Das könnte schließlich zum Verlust des gesamten westantarktischen Eisschildes führen – und zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 3,3 Meter.

vki
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