Forscher und Touristen Störenfriede stressen Königspinguine

Sie sind ein attraktives Beobachtungsziel - sowohl für Forscher als auch für Touristen. Dummerweise bedeutet Aufmerksamkeit aber auch Stress für die Pinguine der Antarktis. Forscher befürchten, dass menschliche Eingriffe dafür sorgen, dass die Entwicklung der Arten beeinflusst wird.

Königspinguine auf Südgeorgien (im März 2007): Beschleunigter Herzschlag
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Königspinguine auf Südgeorgien (im März 2007): Beschleunigter Herzschlag


London/Lausanne - Pinguine, die nicht an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt sind, reagieren empfindlich auf Störungen. Forscher um Vincent Viblanc von der Universität im schweizerischen Lausanne haben Königspinguine untersucht - und herausgefunden, dass sich der Stress auf die Zusammensetzung der Kolonien auswirken kann. Das liegt daran, dass Tiere mit empfindlicherer Natur verdrängt werden.

Die Wissenschaftler hatten Königspinguine auf der dauerhaft bewohnten Insel Possession untersucht, die zum Crozet-Archipel im südlichen Indischen Ozean gehört. Viele der Tiere dort sind seit mehr als 50 Jahren an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt, schreiben Viblanc und seine Kollegen im Fachmagazin "BMC Ecology".

Die Forscher wählten für ihre Analyse Vögel aus einem meist unbehelligten Koloniegebiet und solche aus einer Region, in der täglich Menschen auftauchen - etwa auf einer nahen Straße. Alle ausgewählten Pinguine hatten zwei Tage bis einen Monat alte Küken zu versorgen.

Der Stress der Tiere wurde über die Messung des Herzschlags erfasst. Die Pinguine wurden zwei milderen Stressfaktoren ausgesetzt: einem Menschen, der sich auf zehn Meter näherte und dann für eine Minute stehen blieb sowie dem Geräusch aufeinanderprallender Metallstangen. So sollte die Anwesenheit von Touristen nachgestellt werden. Außerdem wurden die Tiere für drei Minuten eingefangen - um das typische Vorgehen von Forschern zu simulieren.

Bekannt war bereits, dass eine andere Aktion der Forscher den Tieren zu schaffen machen kann: Es geht um Metallbänder an den Flügeln der Pinguine. Die werden häufig eingesetzt, um die Wanderungen der Vögel zu verfolgen. Allerdings beeinträchtigen diese Markierungen die Tiere stark - und könnten sogar Forschungsergebnisse verfälschen.

Bei der aktuellen Studie zeigte sich: An tägliche Störungen gewöhnte Pinguine reagierten wesentlich gelassener auf Stress als ihre Artgenossen in sonst ruhigen Gegenden: Ihr Herzschlag beschleunigte sich bis zu 80 Prozent weniger, wenn ihnen ein Mensch nahe kam oder metallische Geräusche zu hören waren. Allerdings schnellte die über einen Transmitter registrierte Herzschlagrate auch bei ihnen um rund 40 Prozent in die Höhe, wenn sie eingefangen wurden. In allen drei Ansätzen beruhigten sich die an Menschen gewöhnten Pinguine deutlich schneller wieder.

Studien mit anderen Arten der Region hätten ähnliche Ergebnisse gebracht, schreiben die Autoren. Untersucht werden müsse nun, ob sich die Tiere über die Jahre an die menschlichen Besucher gewöhnten - oder ob es eine Auswahl hin zu stressresistenteren Tieren gebe. Vor allem vor dem Hintergrund des massiv zunehmenden Tourismus in der Antarktis sei es eine wichtige Fragestellung, wie sehr der Mensch dort indirekt Einfluss auf die Entwicklung der Arten nimmt.

chs/dpa



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