Beschleunigte Eisschmelze Fragile Antarktisregion auf der Kippe

Beschleunigt sich der Anstieg der Ozeane? Eines der empfindlichsten Gletschergebiete in der Antarktis taut schneller - sein Schmelzwasser hebt die Meerespegel.
Antarktis: Im Durchschnitt ist das Eis der Antarktis gut zwei Kilometer dick, es bindet fast drei Viertel des Süßwassers der Erde.

Antarktis: Im Durchschnitt ist das Eis der Antarktis gut zwei Kilometer dick, es bindet fast drei Viertel des Süßwassers der Erde.

Foto: Corbis/ NASA

Hamburg - Eine der fragilsten Eisregionen der Welt verliert beschleunigt an Masse. Die Gletscher an der Amundsen-See in der West-Antarktis tauen stärker als zuvor, berichten Wissenschaftler im Fachblatt "Geophysical Research Letters" .

Die Region habe von 2003 bis 2011 jährlich rund hundert Milliarden Tonnen (Gigatonnen) Eis verloren. Allein das Schmelzwasser dieses Gebiets dürfte den Meeresspiegel mithin um knapp 0,3 Millimeter pro Jahr gehoben haben.

Über den 21-Jahres-Zeitraum von 1992 bis 2013 sei hingegen ein geringerer Verlust von 83 Gigatonnen pro Jahr festgestellt worden. Zuletzt habe sich der Eisverlust von Jahr zu Jahr um etwa 15 Gigatonnen beschleunigt, berichten das Team um Tyler Sutterley von der University of California in Irvine, USA.

Die Gletscher an der Amundsen-See scheinen damit einen Gutteil zum Eisverlust der Antarktis beizutragen. Die Westantarktis verliere jährlich 147 Gigatonnen, diagnostiziert die Uno in ihrem aktuellen Sachstandsbericht . Eine neuere Bestandsaufnahme zeigte einen etwas schwächeren Verlust von rund 128 Gigatonnen.

Erstaunlich genaue Einblicke

Die neue Studie liefert erstaunlich genaue Einblicke: Vier unabhängige Messverfahren hätten ihre Eisbilanz der Amundsen-See-Region bestätigt, schreiben Sutterley und seine Kollegen, die zu den renommiertesten Glaziologen gehören. Sowohl Messungen der Gletscherhöhen mit Laser und mit Radar, von Satelliten und mit Flugzeugen aus und Messungen der Schwerkraft hätten den Eisverlust ermittelt. Üblich sind Studien, die sich auf ein einziges Messverfahren berufen.

Die Westantarktis gilt neben Grönland als eine der größten Risikoregionen des Klimawandels. Forscher befürchten, eine weitere Erwärmung der Luft könnte küstennahe Gletscher verstärkt tauen lassen, wodurch sich die Pegel der Ozeane bedrohlich heben könnten.

Lange hat sich der Anstieg der Meere nicht beschleunigt. Die globalen Pegel steigen seit Beginn der Neunzigerjahre durchschnittlich um rund drei Millimeter jährlich. Das Schmelzwasser aus Grönland und der Antarktis trägt zusammen etwa einen Millimeter pro Jahr zum Anstieg bei. Ob es mehr werden, hängt wesentlich von den fragilen Gletschern an der Amundsen-See ab.

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Anmerkung des Autors: In einer ersten Version des Artikels war von der Amundsen-Bucht die Rede. Tatsächlich ist die Amundsen-See gemeint. Wir bitten, den Irrtum zu entschuldigen.

boj
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