Antarktis Gletscher schmelzen immer schneller

Das Schmelzen der antarktischen Gletscher hat eine ungeahnte Geschwindigkeit erreicht. Die Auswertung von Aufnahmen aus mehr als fünfzig Jahren belegen den schnellen Rückzug der weißen Riesen. Eine der Hauptursachen scheint der Klimawandel zu sein, sagen die Forscher.


Antarktis-Gletscher: Schnelles Schrumpfen
British Antarctic Survey

Antarktis-Gletscher: Schnelles Schrumpfen

In der Antarktis herrscht das große Schmelzen: Beinahe 90 Prozent der Gletscher, die von der Antarktis ins Meer fließen, schrumpfen - zum Teil in beträchtlichem Ausmaß. Die Geschwindigkeit, in der die Gletscher an Größe verlieren, scheint zuzunehmen: "Im Durchschnitt schmolzen die Gletscher, die wir beobachtet haben, in den vergangenen fünf Jahren um 50 Meter pro Jahr ab, schneller als zu jeder anderen Zeit in den letzten 50 Jahren", sagt Studienleiterin Alson Cook vom British Antarctic Survey (BAS) in Cambridge.

Die britischen und amerikanischen Wissenschaftler hatten mehr als 2000 Luftaufnahmen aus den Jahren seit 1940 und gut 100 Satellitenbilder seit den sechziger Jahren analysiert. Sie verfolgten so den Werdegang von 244 Gletschern. 212 von ihnen sind demnach im Untersuchungszeitraum geschrumpft, nur 32 Gletscher sind leicht gewachsen. Schuld an der Massenschmelze sei wahrscheinlich der Klimawandel, schreiben sie im Fachmagazin "Science (Bd. 308, S. 541).

Eismassen: Opfer der Klimawerwärmung
British Antarctic Survey

Eismassen: Opfer der Klimawerwärmung

Während die Gletscher bis vor 50 Jahren noch stetig in die Länge wuchsen, kehrte sich diese Entwicklung in der darauf folgenden Zeit mit zunehmender Geschwindigkeit um. Das Schrumpfen der Eismassen hatte im wärmeren Norden der antarktischen Halbinsel begonnen und dann mit den ansteigenden Temperaturen in der Atmosphäre auch den Süden erfasst.

"Diese Region hat sich dramatisch und lokal begrenzt erwärmt, um etwa zwei Grad in den letzten 50 Jahren", sagt Cook. Doch die zunehmenden Temperaturen könnten nicht allein für das Schmelzen verantwortlich sein. Die Meerestemperatur und andere Faktoren könnten ebenfalls einen Einfluss auf die Gletscher haben. Hierzu lägen allerdings noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Die Wissenschaftler sind sich nicht sicher, ob die übrigen Gletscher in der Antarktis in der gleichen Geschwindigkeit schrumpfen. Auch die Auswirkungen des Gletscherrückgangs an der Küste sind noch unklar. Das rasche Abschmelzen der Gletscher könne beispielsweise den Abbau der antarktischen Eisdecke beschleunigen. Dies betreffe besonders den Sjörgen Gletscher, seit 1993 sei er um 13 Kilometer geschrumpft.



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