Fabriken in China Illegale FCKW-Emissionen verzögern Schließung des Ozonlochs

FCKW sind verboten. Sie schädigen die Ozonschicht, die das Leben auf der Erde vor Strahlung aus dem All schützt. Doch Unternehmen in China missachten den Bann - mit weitreichenden Folgen.
Die blauen und violetten Farben zeigen das Ausmaß des Ozonlochs 2006 (r.) und 2013 (l.): Die Situation hatte sich deutlich gebessert - bis jetzt?

Die blauen und violetten Farben zeigen das Ausmaß des Ozonlochs 2006 (r.) und 2013 (l.): Die Situation hatte sich deutlich gebessert - bis jetzt?

Foto: NASA/dpa

Der jüngste Anstieg von FCKW-Emissionen könnte die Schließung des Ozonlochs über der Antarktis um fast 20 Jahre verzögern, warnen Forscher im Fachblatt "Nature Communications" . Seit 2010 gilt eigentlich ein internationales Produktionsverbot für diese Ozonkiller. Doch in den vergangenen Jahren verzeichneten Forscher einen unerwarteten Anstieg der FCKW-Emissionen. Irgendwo musste es eine illegale Quelle geben.

Die Spur führte in die ostchinesischen Provinzen Shandong und Hebei, wo in den vergangenen Jahren Tonnen von illegalem Trichlorfluormethan (CFC-11) ausgestoßen worden sein müssen. CFC-11 gehört zu den FCKW - die Abkürzung steht für Fluorchlorkohlenwasserstoffe, die früher als Kälte- oder Treibmittel in Spraydosen und für Kunststoffschäume verwendet wurden. In den Siebzigerjahren stellte sich heraus, dass FCKW die Ozonschicht schädigen. Geht diese zurück, wird die Erde nicht mehr ausreichend vor der UV-Strahlung der Sonne geschützt. Das Krebsrisiko steigt erheblich.

75.000 Tonnen illegale Schadstoffe

Nach der Entdeckung des Ozonlochs über der Antarktis im Jahr 1985 einigte sich die Staatengemeinschaft auf eine drastische Reduzierung der FCKW-Emissionen. Erwartungsgemäß gingen die FCKW-Konzentrationen deutlich zurück und auch die Ozonschicht in der unteren Stratosphäre an den Polen erholte sich allmählich. 2019 war das Ozonloch über der Antarktis so klein wie vor 30 Jahren. Dieser Prozess könnte sich durch die zusätzlichen Emissionen nun deutlich verlangsamen.

Forscher kalkulieren, dass von 2008 bis 2012 pro Jahr rund 64.000 Tonnen Trichlorfluormethan ausgestoßen wurden, von 2014 bis 2017 sogar 75.000 Tonnen. Berechnungen und Simulationen mit Atmosphärenmodellen ergaben, dass knapp zwei Drittel dieser Emissionen aus China stammten.

Für die aktuelle Analyse untersuchten Forscher um Martyn Chipperfield von der britischen University of Leeds, wie sich die steigenden Emissionen auf das Ozonloch über der Antarktis wahrscheinlich auswirken werden. Ergebnis:

  • Bisher haben die illegalen Emissionen kaum Auswirkungen. Werden sie sofort gestoppt, was jedoch äußerst unwahrscheinlich ist, könnte sich das Ozonloch über der Antarktis mit derselben Geschwindigkeit schließen wie bisher.
  • Wenn die Emissionen in den kommenden zehn Jahren auf null zurückgehen, werde sich das Ozonloch voraussichtlich zwei Jahre später schließen als bisher erwartet.
  • Bleibt der Wert ausgestoßener FCKW-Emissionen dagegen gleich, könnte sich die Erholung der Ozonschicht um bis zu 18 Jahre verzögern.

Das ist umso bitterer, weil das weltweite Verbot von FCKW eigentlich als Paradebeispiel galt, dass die Weltgemeinschaft sehr wohl in kurzer Zeit globale Probleme lösen kann, wenn sie nur will.

Welche Branche genau die illegalen FCKW-Emissionen verursacht, ist noch nicht eindeutig bewiesen. Es spricht jedoch viel dafür, dass die chinesische Schaumstoffindustrie ein Verursacher sein könnte, die Dämmstoffe für Häuser und Kühlschränke herstellt. Laut einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) haben chinesische Behörden zuletzt mehrere illegale CFC-11-Produktionsstätten geschlossen und gegen vier Firmen Geldstrafen verhängt.

Wenn die Emissionen tatsächlich auf die Herstellung von derlei Produkten wie Schaumstoffen zurückzuführen ist, entsprechen die aktuell gemessenen FCKW-Werte wahrscheinlich nur einem Teil der tatsächlich produzierten Gesamtmenge. Die übrige Menge wäre dann in den Dämmstoffen gebunden und würde erst in den kommenden Jahrzehnten in die Atmosphäre gelangen.

koe
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