Abbruch von riesigen Eismassen Kalbende Gletscher lösen Tsunamis aus

Mehrmals jährlich brechen riesige Eismassen von Gletschern ab und fallen ins Meer. Dadurch wird laut einer Studie das Wasser durchmischt – mit erheblichen Auswirkungen. Für Plankton jedoch ist das eine gute Nachricht.
William-Gletscher (Bild von 2017)

William-Gletscher (Bild von 2017)

Foto: Eleanor Scriven / robertharding / IMAGO

Etwa ein bis zweimal im Jahr stürzen größere Eismassen des William-Gletschers auf der antarktischen Halbinsel ins Wasser. Das passierte auch im Januar 2020 – als die RSS »James Clark Ross« in der Nähe war, die gerade ozeanografische Messungen in der Börgenbucht durchführte. Die Forscherinnen und Forscher konnten so feststellen, dass das sogenannte Kalben des Gletschers Tsunamis unter Wasser auslöst, durch die das Wasser stark vermischt wird. Die Ergebnisse der Forschung wurden in der Fachzeitschrift »Science Advances«  veröffentlicht, berichtet hatte »Spektrum «.

Bei den internen Tsunamis, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schreiben, entlädt sich die Energie nicht in großen Wellen an der Oberfläche, die insbesondere dann gefährlich werden, wenn sie auf bewohntes Land treffen. Stattdessen geht die Energie nach unten – und sorgt hier für die Durchmischung der Wasserebenen.

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Da diese Tsunamis weitverbreitet seien und häufig auftreten würden, seien sie für die regionale Durchmischung des Schelfs mindestens vergleichbar mit Winden und viel wichtiger als die Gezeiten, heißt es in der Studie. Auch in Grönland und in der Arktis könnten sie relevant sein. Mit höheren Meerestemperaturen könne sich auch die Häufigkeit von Kalbungen ändern, was auf eine mögliche Verlagerung der internen Tsunamigenese und Durchmischung in einem wärmeren Klima hindeutet, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Vor dem Kalben hätte es in der Börgenbucht ein ausgeprägtes unterirdisches Temperaturminimum gegeben, das für den südlichen Ozean im Sommer charakteristisch sei. In der Nähe des William-Gletschers hänge das aber auch mit der unterirdischen Ausbreitung von Gletscherschmelzwasser zusammen. Darunter lieferten von der Küste kommende Gewässer die Wärme für das Schmelzen des Gletschers. Nach dem Kalben habe sich die Struktur der Wassersäule deutlich unterschieden – sie sei wesentlich homogener gewesen.

Die Veränderungen im Wasser des antarktischen Kontinentalschelfs haben den Forscherinnen und Forschern zufolge einen globalen klimatischen Einfluss. Die Wärme aus diesen Gewässern treibe den Rückzug von Gletschern und Schelfeis am Rande der Antarktis an, was Folgen für die Stabilität der Eisschilde und den Anstieg des Meeresspiegels habe. Die starke Durchmischung an der Grenzfläche zwischen Ozean und Eis würde jedoch auch dafür sorgen, dass die Nährstoffe sich im Wasser anders verteilten – und damit in der oberen Schicht des Wassers auch für Plankton zugänglich seien.

Der William-Gletscher ist den Angaben zufolge etwa 4,5 Kilometer breit. Das Kalben erstreckte sich der Studie zufolge über etwa einen Kilometer der Eisfront, es seien 78.000 Quadratmeter Eisfläche abgeflossen. Für den Zerfall der Eisfront sei das Ereignis charakteristisch.

ani
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