Rückschlag im Kampf gegen die Klimakrise Antarktis-Konferenz kann sich nicht auf Schutzgebiete einigen

Die 40. Konferenz der Antarktis-Kommission ist vorbei – und wieder gibt es keine Einigung: China und Russland sind wenig interessiert daran, Gebiete am Südpol als Meeresschutzgebiete auszuweisen.
Die Antarktis beheimatet eine Vielzahl von Arten. Berühmte Vertreter dieser Weltregion sind Pinguine

Die Antarktis beheimatet eine Vielzahl von Arten. Berühmte Vertreter dieser Weltregion sind Pinguine

Foto: David Merron Photography / Getty Images

Seit Jahren fordern Fachleute die Einrichtung des größten Meeresschutzgebiets der Erde in der Antarktis. Und seit fünf Jahren ringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Antarktis-Kommission CCAMLR um eine Lösung. Doch diese Lösung wird nun erneut um mindestens ein Jahr verschoben.

Bei der mittlerweile 40. Konferenz der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis im australischen Hobart gelang es den Mitgliedstaaten ein weiteres Mal nicht, zu einer Einigung zu gelangen. Denn: Russland und China sind gegen die Einrichtung einer solchen Schutzzone am Südpol.

Beide Länder betreiben in der Gegend Fischerei, vor allem auf antarktischen Krill und Seehecht.

Die Kommission werde »vorgeführt«

»Wir sind sehr enttäuscht, dass wir erneut Zeuge dieser verpassten Gelegenheit geworden sind«, sagte Claire Christian, Geschäftsführerin der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC). Der Planet und die kostbaren marinen Lebensräume der Antarktis könnten sich kein weiteres Jahr der Untätigkeit leisten.

»Die Kommission soll Meeresschutzgebiete in der Antarktis schaffen, lässt sich aber Jahr für Jahr von einzelnen Bremserstaaten vorführen«, sagte die Greenpeace-Meeresbiologin Sandra Schöttner der Deutschen Presse-Agentur.

Die Meere spielten eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Klimas, würden aber zunehmend selbst zum Opfer der Klimakrise. Sie müssten dringend besser geschützt werden, um auch weiterhin der Erderwärmung entgegenwirken zu können, sagte Schöttner. Ein Schutzgebiet im Südpolarmeer könnte unter anderem zum Erhalt einer funktionierenden Biodiversität beitragen. Die Artenvielfalt wiederum gilt als Voraussetzung dafür, dass das Meer als Kohlenstoffsenke den Planeten weiterhin kühlen und CO₂ aus der Atmosphäre aufnehmen kann.

Es geht um vier Millionen Quadratkilometer

Konkret geht es bei den Verhandlungen der Kommission darum, ein vier Millionen Quadratkilometer großes Gebiet in der Ostantarktis, der antarktischen Halbinsel und im artenreichen Weddellmeer unter Schutz zu stellen. Es wäre die größte jemals beschlossene Meeresschutzmaßnahme – sie würde sich auf rund ein Prozent der globalen Meeresfläche erstrecken.

Seit dem Jahr 2016 wird die Ausweisung des Schutzgebietes regelmäßig beantragt. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür hat das Alfred-Wegener-Institut (AWI), das die Polarforschung in Deutschland koordiniert, zusammengetragen.

Allein das antarktische Weddellmeer ist sechsmal so groß wie Deutschland. Es bietet vielen Arten ein Rückzugsgebiet, die sich auf einen eisigen Lebensraum spezialisiert haben, etwa Seehechte, Krill und Kaiserpinguine.

Einen Erfolg konnte die CCAMLR im Jahr 2016 verbuchen, als sie ein 1,5 Millionen Quadratkilometer großes Gebiet im Rossmeer unter Schutz stellte. Es ist das weltweit größte bestehende Meeresschutzgebiet.

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Eine kleine Einigung gab es doch

Die CCAMLR-Mitglieder einigten sich immerhin darauf, die Schutzmaßnahme, die die vorläufigen Fangmengen von Krill reguliert, zu verlängern. »Aus neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen wissen wir jedoch, dass diese Maßnahme allein nicht ausreicht, um eine übermäßig konzentrierte Fischerei rund um die antarktische Halbinsel zu verhindern«, sagte Andrea Kavanagh, die für The Pew Charitable Trusts den Schutz der Antarktis und des Südpolarmeeres leitet.

Das »Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis« wurde 1980 ins Leben gerufen. Der Kommission gehören 25 Mitgliedstaaten und die EU an. Alle Entscheidungen müssen einstimmig getroffen werden.

Durch den Klimawandel erwärmt sich das Südpolarmeer schnell – deutlich schneller als die meisten anderen Bereiche der Weltmeere. Der Temperaturanstieg bedroht die lokalen Ökosysteme. Umso relevanter werden deshalb Schutzgebiete, die die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme stärken. Der Schutz der Ozeane ist auch als eines der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele festgelegt. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten bis Ende 2020 zehn Prozent der weltweiten Meeresfläche geschützt werden. Derzeit stehen etwa sieben Prozent der Weltmeere unter Schutz.

vki/dpa
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