Rossmeer Forscher entdecken alte Gesteinsstruktur unter größtem Antarktis-Schelfeis

Das Ross-Schelfeis in der Antarktis ist fast so groß wie Frankreich. Nun haben Forscher eine besondere tektonische Formation unter dem Eis entdeckt. Sie beeinflusst auch dessen Stabilität.

Ross-Schelfeis (Archiv): Das System ist fragil
NASA

Ross-Schelfeis (Archiv): Das System ist fragil


Tief unter dem Eis der Antarktis haben Forscher bislang unbekannte Teile alter, tektonischer Platten entdeckt. Die Gesteinsformation beeinflusst, wie das Eis auf dem größten Schelfeis des Kontinents schmilzt, berichten Forscher um Kirsty Tinto vom Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University im Fachmagazin "Nature Geoscience".

Seit drei Jahren sammelt die Wissenschaftlerin gemeinsam mit Kollegen Daten über das Antarktiseis. Im Rosetta-Ice-Project ist das Team mehrfach über das Ross-Schelfeis geflogen. Dieses schwimmt auf dem antarktischen Rossmeer und ist fast so groß wie Frankreich. Experten befürchten, dass das Schelfeis eines Tages zerbrechen könnte, genaue Prognosen sind jedoch schwer.

Mit einem speziell dafür gefertigten Instrument haben die Forscher erfasst, wie dick das Schelfeis ist und welche Struktur es hat. Mithilfe magnetischer Verfahren untersuchten sie außerdem das Gestein unter dem Meeresgrund. Die bislang unbekannte tektonische Formation entdeckten sie, als sie sich gerade in der Mitte des Eises aufhielten.

Forschungs-Flug an der östlichen Grenze des Ross-Schelfeises
Susan Howard

Forschungs-Flug an der östlichen Grenze des Ross-Schelfeises

Bei dem Gebilde handelt es sich wohl um einen Teil der tektonischen Grenze zwischen Ost- und Westantarktis. Diese kontrolliert seit hunderten Millionen Jahren, wie das Wasser um das riesige Ross-Schelfeis fließt. "Wir können sehen, dass die tektonische Grenze den Meeresboden im Osten derzeit deutlich vertieft", erklärt Tinto.

Ross-Schelfeis bremst Eisverlust am Südpol

Diese Konstellation verhindert, dass warmes Wasser an den Entstehungsort des Schelfeises vordringt - also dorthin, wo das Gletschereis den Kontakt zum Untergrund verliert und beginnt, als Schelfeis auf dem Meer zu schwimmen. Auf diese Weise verringert die Gesteinsformation die Eismenge, die vom Schelfeis abbricht und in den arktischen Ozean hinausschwimmt. Gleichzeitig kann sie aber auch dafür sorgen, dass das Eis an der Ostgrenze im Sommer schneller schmilzt.

Dass das Eis im Westen der Antarktis durch die steigenden Temperaturen schwindet, ist seit vielen Jahren bekannt. Im Januar 2019 haben Wissenschaftler festgestellt, dass auch der zuvor für vergleichsweise stabil gehaltene Osten des Kontinents sehr viel Eis verliert. Um bessere Prognosen erstellen zu können, wollen Forscher besser verstehen, wie genau Meer, Luft und Geologie das Eis in der Antarktis beeinflussen.

Dass das Ross-Schelfeis stabil bleibt, ist für die gesamte Region wichtig. Die schwimmende Eismasse bremst ungefähr 20 Prozent des auf dem antarktischen Festland liegenden Antarktiseises auf seinem Weg Richtung Ozean. Würde dieses Eis abschmelzen, hätte das einen Meeresspiegelanstieg von 11,6 Meter zur Folge, warnen die Forscher.

jme

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