US-Studie befürchtet Anstieg des Meeresspiegels »Weltuntergangsgletscher« in der Antarktis könnte schnell schmelzen

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis droht sich vom Meeresboden zu lösen. Laut Forschern krallt er sich nur noch mit den »Fingernägeln« fest. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind besorgt.
Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis: Mit großen Veränderungen in kleinen Zeiträumen rechnen

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis: Mit großen Veränderungen in kleinen Zeiträumen rechnen

Foto: NASA / ZUMA Wire / IMAGO

Der Thwaites-Gletscher in der Antarktis hat eine wichtige Bremsfunktion. Schmilzt er, würden zahlreiche Küstenstädte überflutet. Deswegen wird er auch als »Weltuntergangsgletscher« bezeichnet.

Wie ein Forscherteam aus den USA nun herausgefunden hat, könnte sich der Thwaites in den kommenden Jahren schnell zurückbilden. Laut einer Studie, die in der Fachzeitschrift »Nature Geoscience« veröffentlicht wurde, schmilzt er im Zuge der Erderwärmung entlang seiner Unterwasserkante. Die Wissenschaftler dokumentierten einen historischen Schwund des gewaltigen Gletschers. Zuerst hatte CNN berichtet .

Der Thwaites bedeckt eine Fläche, die ungefähr so groß ist wie der US-Bundesstaat Florida: 192.000 Quadratkilometer. Zusammen mit dem Pine-Island-Gletscher hindert er den noch viel größeren westantarktischen Eisschild daran, ins Meer zu fließen. Können die Gletscher das eines Tages nicht mehr gewährleisten, würde der Meeresspiegel um mehr als einen Meter ansteigen.

Nun könnte sich der Thwaites schnell zurückziehen, dann nämlich, wenn er sich von einem Meeresrücken löst. Laut den Forschern ist das bereits irgendwann in den vergangenen zwei Jahrhunderten einmal geschehen. Danach zog sich das Schelfeis jährlich um 2,1 Kilometer zurück – doppelt so schnell wie in den vergangenen zehn Jahren. Bald könnte es wieder so weit sein.

»Der Thwaites hält sich mit den Fingernägeln fest«, sagte der Meeresgeophysiker und Co-Studienautor Robert Larter laut CNN. Man solle damit rechnen, dass es in Zukunft große Veränderungen in kleinen Zeiträumen geben wird.

Thwaites, der »schwache Unterbauch«

Die Sorgen um den Gletscher sind nicht neu. Bereits 1973 diskutierten Forscher die Stabilität des Thwaites, später fanden sie heraus, dass warme Meeresströmungen den Gletscher von unten schmelzen. Seither wird der Gletscher der »schwache Unterbauch des westantarktischen Eisschilds« genannt. Um ihn nun erneut zu untersuchen, wurde ein autonomes U-Boot zur Kartierung des Meeresbodens eingesetzt.

Thwaites-Gletscher am 2. Dezember 2001 (links) und am 28. Dezember 2019 (rechts)
Thwaites-Gletscher am 2. Dezember 2001 (links) und am 28. Dezember 2019 (rechts)

Thwaites-Gletscher am 2. Dezember 2001 (links) und am 28. Dezember 2019 (rechts)

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

In den vergangenen Jahren hatte es wiederholt Berichte von großen Eisabbrüchen in der Antarktis gegeben. Das ist zwar ein natürlicher Vorgang, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind jedoch besorgt, wie schnell das geht. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass das Schelfeis des Thwaites binnen fünf Jahren zerbrechen könnte.

Das verlorene Eis des Thwaites macht bereits heute mehrere Prozent des Meeresspiegelanstiegs aus.

hba
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