Antarktis Tierschützer planen Ramm-Attacken auf Walfänger - Prämien ausgesetzt

Umweltschützer machen Jagd auf japanische Walfänger: Um deren Position auf dem Meer zu erfahren, setzen sie Geldprämien von 25.000 Dollar aus - dann wollen sie die Schiffe rammen.


Die "Farley Mowat" kreuzt in der antarktischen See - und würde gerne auf Kollisionskurs gehen. Doch das geht erst, wenn Kapitän Paul Watson die Position des Gegners ausmachen kann - seine Gegner sind japanische Walfänger.

"Wir bieten eine Belohnung von 25.000 Dollar an", sagte Watson, "soviel sparen wir schon beim Treibstoff wieder ein." Denn eine japanische Walfangflotte soll im Südpazifik bis zu Tausend Wale fangen. Die Tierschützer der Washingtoner Organisation "Sea Shepherd" wollen genau das verhindern: Kapitän Watson sei bereit, die Walfänger notfalls zu rammen, berichtet die Londoner Zeitung "Times".

Die Ankündigung der Japaner, 800 oder mehr Wale im Ozean vor der Antarktis zu fangen, war auf internationale Proteste gestoßen.

Australien hatte seine Häfen für die Fangflotte gesperrt. Nun hofft Sea Shepherd auf die Indiskretion neuseeländischer Militärangehöriger. "Die Luftwaffe Neuseelands überflog die Walfangflotte am Freitag in der Ross-See und filmte sie dabei, wie sie Wale tötete, aber die Regierung will die Koordinaten nicht preisgeben", sagte Watson.

Damit mache sich die Regierung Neuseelands zum Komplizen des illegalen Walfangs, so der Vorwurf des Walschützers. Das sieht die Regierung des Landes ganz anders. "Neuseeland steht in vorderster Linie bei der Bekämpfung des Walfangs", sagte der neuseeländische Umweltschutzministers Chris Carter. Die Aufnahmen der Aufklärungsflieger von der Walflotte zu veröffentlichen sei ein Beitrag gewesen.

Sea Shepherd will rammen, Greenpeace friedlich protestieren

"Radio New Zealand" meldete gestern, dass Carter gesagt habe, die Koordinaten würden nicht veröffentlicht, wenn dadurch Menschen gefährdet würden. Hideki Moronuki, ein Sprecher des japanischen Fischereiministeriums hatte gesagt, er sei um die Sicherheit der Besatzungsmitglieder an Bord der Walfangschiffe höchst besorgt.

Watson wähnt indes eine Verschwörung gegen die Tierschützer. "Wir haben herausgefunden, dass der US-Marinegeheimdienst unsere Position per Satellit verfolgt und diese Informationen an die Japaner weitergibt", sagte er der australischen Zeitung "Sydney Morning Herald".

Im Laufe der Woche soll auch das Schiff "Esperanza" der Umweltschutzorganisation Greenpeace in der Ross-See eintreffen. Sie hat angekündigt, Beiboote auszusetzen, die mit Transparenten gegen den Walfang der Japaner protestieren.

Greenpeace-Sprecherin Sara Holden sagte, die Organisation habe keine Informationen zur genauen Position der japanischen Flotte. Aber selbst wenn sie über diese Angaben verfügte, würde man sie nicht an die "Farley Mowat" weitergeben: "Wir vertreten das Prinzip des friedfertigen Protests, was Sea Shepherd nicht tut."

stx



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