Klimaforschung Warum sich Antarktis-Gewässer nur langsam erwärmen

In der Arktis ist der Klimawandel deutlich spürbar, die Antarktis-Region erwärmt sich wesentlich langsamer. Nun präsentieren Forscher eine Erklärung für das Phänomen.

Pinguine in der Antarktis
REUTERS

Pinguine in der Antarktis


Für Klimaforscher ist die Antarktis immer noch voller Rätsel: Wie stabil ist der mächtige Eispanzer des Kontinents? Warum steigen die Wassertemperaturen dort langsamer als etwa um den Nordpol?

Zumindest auf die zweite Frage glauben Wissenschaftler der University of Washington in Seattle nun eine Antwort gefunden zu haben. Demnach treiben Meereswirbel um den Kontinent kaltes Wasser aus großer Tiefe nach oben. Im Unterschied dazu werde das durch die höheren Lufttemperaturen erwärmte Oberflächenwasser nach Norden transportiert. In den Gewässern der Antarktis-Region schlage der Klimawandel deshalb erst um Jahrhunderte verzögert durch, schreibt das Team um Kyle Armour im Fachblatt "Nature Geoscience".

Im Mittel hätten sich die Meere auf der Erde seit 1950 pro Jahrzehnt um 0,08 Grad Celsius erwärmt, schreiben die Wissenschaftler. Beim Südlichen Ozean betrage die Erwärmung dagegen nur durchschnittlich 0,02 Grad Celsius pro Dekade. Dies hatten Forscher bislang mit verschiedenen Erklärungen zu begründen versucht - unter anderem damit, dass durch die Luft aufgewärmtes Wasser in die Tiefe abgeführt und dort gespeichert wird.

Altes, kaltes Wasser

Das Team um Armour kombinierte nun an Treibbojen vor Ort und von Satelliten gesammelte Beobachtungsdaten von 1982 bis 2012 mit Computersimulationen. Demnach schieben die starken Winde um die Antarktis das Oberflächenwasser nordwärts. An die Oberfläche strömt kaltes Wasser nach, das teils aus mehreren Kilometern Tiefe stammt.

"Um den Kontinent herum kommt wirklich tiefes, altes Wasser an die Oberfläche, das seit Jahrhunderten nicht mehr mit der Atmosphäre in Kontakt gekommen ist", wird Armour in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Dieses Wasser sank demnach lange vor Beginn der Industrialisierung im Nordatlantik in die Tiefe.

Das Team berichtet, dass sich das Oberflächenwasser erst nördlich des antarktischen Zirkumpolarstroms, der die Antarktis umfließt, relativ stark erwärmt - um 0,11 Grad Celsius pro Jahrzehnt. Von dort wird der Großteil der Wärme dann weiter nordwärts Richtung Äquator transportiert.

Die Erwärmung der Gewässer verzögert sich den Angaben zufolge um Jahrhunderte. Dies decke sich mit Erkenntnissen zum Klima früherer Erdzeitalter: Wenn man Zeiträume über Jahrtausende untersuche, habe sich der Südliche Ozean Studien zufolge ähnlich stark erwärmt wie die arktischen Gewässer.

hda/dpa



insgesamt 76 Beiträge
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willibaldus 30.05.2016
1. Aha, ein Aufschub.
Dann schmilzt das Antarktische Eis eher durch den steigenden Meeresspiegel und dadurch grössere ANgriffsfläche, eventuell von unten und stärkeres nachschieben vom Kontinent her. Weiss man denn, wie alt das Wasser ist? Nicht das jetzt das Wasser vom römischen Optimum kommt, dann haben wir auch nichts davon.
spiegkom 30.05.2016
2. Zu spät
Die Antarktis taut erst in Jahrhunderten auf, wenn der Rest schon verbrannt ist? Zu spät. Es lohnt sich nicht mehr, zu leben. Danke, liebe Forscher, für die Klarheit. Da helfen auch keine Windräder mehr.
richey_edwards 30.05.2016
3. Skeptiker...
... haben wiederholt auf Unsicherheiten hingewiesen und wurden als "Leugner" beschimpft. Jetzt wo die Erwärmung nicht nur in der Antarktis sondern global weit hinter den Modellvorhersagen und den IPCC-Projektionen zurückbleibt sind "Erklärungen" zwar schön und gut aber kommen eben im Nachhinein. Vorausgesagt war was anderes.
westerwäller 30.05.2016
4. Ist ganz klar und einfach ...
Die Arktis ist oben und die Antarktis unten .. Warme Luft steigt immer nach oben (in diesem Fall die Arktis) ... Kalte Luft nach unten, eben zur Antarktis ... Einfach ...
iStone 30.05.2016
5. Die Uhr tickt aber laut...
Da ich selbst derzeit Klimasimulationen für 12.000 BP laufen habe, überrascht mich das Ergebnis nicht. Dahinter steckt allerdings die gesamte Atlantic Meridional Overturning Circulation (AMOC), die bei starker Aktivität vermehrt warmes Wasser Richtung Nordpol transportiert, während die Wärme dann der Südhemisphäre geklaut wird. Dieses Bild ändert sich aber derzeit und vermutlich vermehrt mit der Erwärmung der Arktis. Die AMOC wird derzeit schon schwächer (siehe globale Trendkarten der Temperatur südlich von Grönland). Dies heißt auch, dass sich die Antarktis dann in Zukunft sehr rasch erwärmen wird - durch CO2-Erwärmung plus schwache AMOC. Die Uhr tickt...
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