Anti-Kyoto-Strategie USA planen eigenes Klimabündnis

Die USA, weltgrößter Verursacher von Treibhausgasen, sind mit ihrer Ablehnung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz zuletzt arg in die Defensive geraten. Jetzt will Washington gemeinsam mit Australien, China, Indien und Südkorea ein eigenes Klimabündnis schmieden.


Luftverschmutzung (Fabrik in Sibirien): USA schmiedet Klimabündnis mit vier anderen Ländern
REUTERS

Luftverschmutzung (Fabrik in Sibirien): USA schmiedet Klimabündnis mit vier anderen Ländern

Canberra - Der australische Umweltminister Ian Campbell sagte, Canberra und Washington hätten in den letzten zwölf Monaten eine Vereinbarung ausgehandelt, die auch die wirtschaftlich rasch wachsenden Entwicklungsländer mit einbeziehe. Das Kyoto-Protokoll sei dagegen nicht effektiv.

Für die Industriestaaten sei es entscheidend, moderne Technologien zu entwickeln, um den aufstrebenden asiatisch-pazifischen Volkswirtschaften wie China und Indien zu ermöglichen, ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. "Wir wissen, dass das die Lösung ist. Wir wissen, dass das Kyoto-Protokoll bezüglich des Klimaschutzes ein Fehlschlag ist", sagte Campbell. "Wir müssen es besser machen."

Die fünf beteiligten Staaten sind für weltweit 40 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Zeitung "The Australian" berichtete, US-Präsident George W. Bush habe vergangene Woche mit dem australischen Ministerpräsidenten John Howard und dem indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh über das neue Bündnis gesprochen. Campbell sagte nicht, ob Australien bereits unterschrieben habe. Einzelheiten würden in Kürze veröffentlicht.

Die oppositionelle Labour-Partei rief die australische Regierung auf, das Kyoto-Protokoll umgehend zu ratifizieren. Das neue Bündnis sei wertlos. Auch Greenpeace rief zur Unterstützung des 1997 beschlossenen Vertrages auf. Australien sperrt sich aus Angst, die Vorgaben von Kyoto könnten seine zu einem großen Teil auf Kohle- und Gasexporten basierende Wirtschaft schädigen, während nichts gegen die steigenden Klimagas-Emissionen von Ländern wie China oder Indien getan werde.

Das Kyoto-Protokoll ist im Februar in Kraft getreten. Darin verpflichteten sich die 38 führenden Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs Treibhausgasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990. Zieldatum ist 2012. Die konkreten Ziele fallen für die einzelnen Länder unterschiedlich aus. Zudem ermöglichen der Handel mit Emissionsrechten, die Kooperation zwischen Industrieländern sowie die Unterstützung ärmerer Länder mit nachhaltigen Umwelttechnologien eine flexible Handhabung der Regelungen.



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