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18. November 2013, 17:31 Uhr

"Arctic Sunrise"

Russisches Gericht lässt Greenpeace-Ärztin auf Kaution frei

Die russische Ärztin des Greenpeace-Schiffes "Arctic Sunrise" wird auf Kaution freigelassen. Der Rest der Crew bleibt nach einer Protestaktion gegen Ölbohrungen in der russischen Arktis im Gefängnis.

Moskau - Am 18. September wollten sie vom Schlauchboot aus auf eine russische Ölplattform in der Arktis klettern. Seitdem sitzt die 30-köpfige Crew des Greenpeace-Schiffes "Arctic Sunrise" im Gefängnis. Nun hat ein Gericht in St. Petersburg die russische Medizinerin Jekaterina Saspa auf Kaution freigelassen. Saspa sei gegen die Zahlung von zwei Millionen Rubel (45.500 Euro) auf freien Fuß gesetzt worden, teilte Greenpeace im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Saspa diente als Ärztin auf dem Eisbrecher "Arctic Sunrise", der im September von der russischen Küstenwache aufgebracht worden war.

Saspa ist das erste Besatzungsmitglied, das freigelassen wird. Zuvor hatte ein anderes Gericht der westrussischen Großstadt entschieden, die Untersuchungshaft für einen Aktivisten aus Australien um drei Monate zu verlängern. Der Australier Colin Russell wurde am Montag als erster der 28 Aktivisten und zwei Journalisten am Primorski-Gericht in St. Petersburg angehört.

Eine Richterin verlängerte seine U-Haft um drei Monate bis zum 24. Februar. Eine Freilassung gegen Kaution oder eine Unterbringung im Hausarrest lehnte das Gericht ab. Es wurde erwartet, dass Russells Mitstreiter mit derselben Härte behandelt würden. Auch die Fälle der 28 anderen Besatzungsmitglieder sollen diese Woche geprüft werden.

Zu den Inhaftierten zählen 28 Greenpeace-Mitarbeiter und zwei Journalisten aus 18 Ländern. Sie waren zunächst in der nördlichen Hafenstadt Murmansk inhaftiert, wurden später aber nach St. Petersburg verlegt. Ihnen soll wegen "Rowdytums" der Prozess gemacht werden, offiziell wurde aber auch der Tatvorwurf der gemeinschaftlichen Piraterie noch nicht fallengelassen. Rowdytum kann in Russland mit bis zu sieben Jahren, Piraterie mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet werden.

Die Festnahme der Aktivisten führte international zu scharfen Protesten. Parallel zu den Auseinandersetzungen vor russischen Gerichten läuft ein Prozess vor dem Seegerichtshof in Hamburg. Dort könnte am Ende ein Semikolon eine wichtige Rolle bei der Entscheidung der Richter spielen.

hda/AFP

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