Argentinien Forscher finden gigantischen Dinosaurier-Friedhof

80 Tiere, mehr als 100 Eier: Ein Fund in Patagonien gibt Einblick in das Sozialleben früher Dinosaurier. Schon vor über 190 Millionen Jahren bildeten sie Herden. War das der Schlüssel zu ihrem evolutionären Erfolg?
Künstlerische Rekonstruktionszeichnung von Mussaurus patagonicus

Künstlerische Rekonstruktionszeichnung von Mussaurus patagonicus

Foto: Jorge Gonzalez

Wenn Paläontologen ein gut erhaltenes Dino-Skelett finden, dann ist das schon ein toller sowie seltener Fund. Aber es ist nichts gegen das, was Forschende in Argentinien entdeckt haben. Der Fund ist dermaßen umfassend, dass er sogar Einblicke in das Sozialleben früher Dinosaurier-Herden ermöglicht.

Auf einer Fläche von einem Quadratkilometer im Süden von Patagonien entdeckte ein Team 80 Individuen unterschiedlichen Alters und über 100 teils gut erhaltene, versteinerte Eier der Art Mussaurus patagonicus. »Es ist schon schwer, überhaupt versteinerte Eier zu finden. Und noch schwerer, versteinerte Eier mit Embryos darin zu entdecken«, wird der Dinosaurier-Experte Diego Pol vom Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew in einer Mitteilung zitiert.

Zwar hatten die Paläontologen schon zuvor einige Tiere am Fundort Laguna Colorada beschrieben. Aber nun stellt das internationale Team um Pol eine umfassende Auswertung und Interpretation des Ausnahmefundes vor. Die Untersuchung zeigt, dass diese großen Pflanzenfresser vor etwa 193 Millionen Jahren in Herden lebten, gemeinsame Brutkolonien unterhielten und sich nach Altersgruppen zusammenschlossen.

»Unsere jüngsten Expeditionen zum Fundort haben 69 neue Exemplare von M. patagonicus ergeben, zusätzlich zu den bereits entdeckten 11 Individuen«, schreibt das Team. »Die neuen Exemplare umfassen Skelette von sechs verschiedenen Entwicklungsstufen, die von Embryos bis zu ausgewachsenen Tieren reichen.« Hinzu kommen mehr als 100 Eier.

Die meisten Eier lagen demnach in Gelegen. Diese enthielten jeweils acht bis 30 Eier und lagen nahe beieinander. Daher geht das Team davon aus, dass es sich um Brutkolonien handelt. Unweit davon lagen acht winzige Tiere, die schätzungsweise 70 Gramm wogen und wohl frisch geschlüpft waren – wegen der vergleichbaren Größe offenbar alle zu einer ähnlichen Zeit.

50 Meter entfernt stieß das Team auf die eng beieinander liegenden Überreste von mindestens elf heranwachsenden Tieren, die ebenfalls ähnlich groß waren und rund zehn Kilogramm wogen. Sie starben wohl gleichzeitig gegen Ende ihres ersten Lebensjahres. An anderer Stelle entdeckte, neun weitere Individuen waren schon älter, mit einem Gewicht zwischen 106 bis knapp 560 Kilo, aber noch längst nicht ausgewachsen. Die mehrere Meter großen Dinosaurier konnten bis zu 1,5 Tonnen schwer werden. Auch ausgewachsene Tiere wurden gefunden – ebenfalls teils nahe beieinander.

Überleben dank Herdentrieb

Die Art M. patagonicus zählt zu den Sauropodomorpha, die auch die erst später entstandenen gigantischen Sauropoden umfasst. Am Ende der Triaszeit vor etwa 200 Millionen Jahren hatten die Sauropodomorpha bereits viele andere Pflanzenfresser verdrängt. Nachdem sie dann das große Artensterben am Ende der Triaszeit überlebt hatten, waren sie die einzigen großen Pflanzenfresser und dominierten viele terrestrische Ökosysteme über Jahrmillionen.

Als Gründe für ihren Erfolg sahen Experten bisher das Besetzen freigewordener ökologischer Nischen, ihre Körpergröße und ihr schnelles Wachstum. Die nun im Fachblatt »Scientific Reports«  veröffentlichte Studie deutet darauf hin, dass diese Eigenschaften mit ihrem Sozialverhalten einhergingen.

Dinosaurier hätten schon mehr als 40 Millionen Jahre früher Herden gebildet als bislang bekannt, schreibt das Team. »Das gemeinsame Auftreten von frisch geschlüpften, heranwachsenden und ausgewachsenen Tieren am selben Ort und in derselben Schicht deutet darauf hin, dass die Individuen sozialen Zusammenhalt über verschiedene Phasen ihrer Lebensspanne beibehielten.« Gerade die Trennung nach Altersgruppen sei ein Hauptmerkmal von Herdentieren und auch für große pflanzenfressende Säugetiere gut dokumentiert.

Brutkolonien von Sauropodomorpha waren bisher schon für zwei andere Arten in China und Südafrika vermutet worden. Daher gehen die Forscher davon aus, dass dieses Verhalten schon bei den gemeinsamen Vorfahren der drei Arten im späten Trias vorhanden war – vor mindestens grob 210 Millionen Jahren.

Möglicherweise stehe das Sozialverhalten auch mit der Zunahme der Körpergröße dieser Dinosaurier in Zusammenhang, spekuliert das Team. Demnach haben große Tiere einen besonders hohen Energiebedarf, wofür sie wiederum größere Lebensräume brauchen und täglich größere Strecken zurücklegen müssen – was in Herden sicherer sei. Daher könnte das Sozialverhalten zum Erfolg dieser Gruppe beigetragen haben.

»Es sind zwar nicht die ältesten Dinosaurier, aber die ältesten, für die Herdenverhalten vermutet wird«, sagt Pol. »Mussaurus gehört zu der ersten erfolgreichen Familie der pflanzenfressenden Dinosaurier. Daher schlagen wir vor, dass soziales Verhalten und der durch die Herde gebotene gemeinsame Schutz der Jungtiere möglicherweise dazu beigetragen haben, dass diese langhalsigen Dinosaurier sich über alle Kontinente verbreitet haben.«

joe/dpa
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