Arktis Schadstoffe töten Eismöwen

Die Natur in der Arktis erscheint auf den ersten Blick unberührt - doch industrielle Schadstoffe richten auch im hohen Norden Zerstörungen an. Eine Langzeitstudie zeigt, dass Eismöwen durch die Belastung früher sterben.

Arktische Eismöwe (Larus hyperboreus): Tod am Ende der Nahrungskette
Corbis

Arktische Eismöwe (Larus hyperboreus): Tod am Ende der Nahrungskette


London/Hamburg - Arktische Eismöwen leiden unter der starken Belastung ihrer Umwelt mit organischen Schadstoffen. Besonders belastete Vögel sterben früh, berichten norwegische Wissenschaftler über eine Eismöwenpopulation auf der Bäreninsel in der Barentssee. Vor allem weibliche Eismöwen seien gefährdet, schreiben sie im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Kjell Einar Erikstad vom Norwegischen Institut für Naturforschung in Tromsø und seine Mitarbeiter hatten vor 16 Jahren 111 ausgewachsene Eismöwen (Larus hyperboreus) beringt. Sie entnahmen den Tieren eine Blutprobe und ermittelten, wie stark sie mit chlororganischen Verbindungen belastet waren. In den folgenden sieben Jahren prüften die Forscher, wie viele der Vögel noch lebten. Sie stellten fest, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit bei sehr stark belasteten Tieren sank.

Chlororganische Verbindungen sind in vielen Produkten der chemischen Industrie enthalten, etwa in Pestiziden, Holzschutzmitteln und Kunststoffen. Sie werden wie auch andere Schadstoffe von Meeresströmungen oder großen Eismassen in die Arktis transportiert.

Rätsel der gering belasteten Möwen

Bei Seevögeln und anderen Tieren vor allem auf den oberen Stufen der Nahrungskette sammeln sich diese Schadstoffe im Körper an. Zählungen in der Region haben ergeben, dass die Eismöwenpopulation der Bäreninsel zwischen 1987 und 2010 erheblich geschrumpft ist - um etwa acht Prozent pro Jahr, heißt es in der Studie.

Bei Weibchen wirken sich der Untersuchung zufolge schon geringere Schadstoffkonzentrationen negativ aus. Möglicherweise riefen die Substanzen über das geschlechtsspezifische Hormonsystem unterschiedliche Reaktionen hervor, schreiben die Forscher. Denkbar sei etwa, dass männliche Eismöwen bei hoher Schadstoffbelastung die Fortpflanzung einstellten und sich mehr um das eigene Überleben kümmerten.

Gering belastete Eismöwen hatten der Untersuchung zufolge erstaunlicherweise eine besonders hohe Überlebenschance. Sie lag sogar höher als in anderen, weniger belasteten Eismöwenpopulationen. Warum das so ist, können die Forscher nicht sicher erklären. Möglicherweise sterben infolge der Schadstoffbelastung in erster Linie die empfindlicheren Tiere, so dass über die Jahrzehnte eine Population mit besonders starken und wenig empfindlichen Tiere entstehe.

boj/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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kappesstepp 21.08.2013
1. Das sind Tiere,
Zitat von sysopCorbisDie Natur in der Arktis erscheint auf den ersten Blick unberührt - doch industrielle Schadstoffe richten auch im hohen Norden Zerstörungen an. Eine Langzeitstudie zeigt, dass Eismöwen durch die Belastung früher sterben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/arktis-umweltverschmutzung-vergiftet-eismoewen-a-917646.html
die "sterben" nicht, die "gehen ein" oder "verenden".
BerndBerndsen 21.08.2013
2.
Es wäre wünschenswert dem Laien im Artikel zu erklären, warum sich an den Polen die Schadstoffe ansammeln und vor Allem der Nordpol betroffen ist. Das Phänomen ist als "globale Destillation" bekannt. Jede Substanz hat einen bestimmten Dampfdruck. D.h. das sich ein bestimmter Anteil der Moleküle verflüchtigt und als Gas in die Luft übergeht. Bei höheren Temperaturen geht mehr in die Dampfphase als bei niedrigen Temperaturen (Wasser kochen). Nun kondensieren (oder sublimieren) diese Gase an kälteren Stellen wieder aus. Das bedeutet global gesehen, dass persistente (nicht oder schlecht biologisch abbaubare) Substanzen über Jahrzehnte langsam in Richtung kälterer Regionen wandern. Das bedeutet immer von Richtung Äquator in Richtung Pole. Und da ein Großteil der Schadstoffe in den 70er/80er/90er Jahren auf der industialisierten Nordhalbkugen produziert wurde, finden die sich heute am Nordpol. Siehe auch Ferntransport (Atmosphäre) (http://de.wikipedia.org/wiki/Ferntransport_%28Atmosph%C3%A4re%29)
ansas 21.08.2013
3. Tiere sterben!
Zitat von kappessteppdie "sterben" nicht, die "gehen ein" oder "verenden".
Warum sollten Tiere nicht sterben? Die Wahl eines anderen Wortes soll doch nur einen Unterschied zementieren, der moralphilosophisch nicht haltbar ist. Die vom Menschen definierte Differenz zu nichtmenschlichen Lebewesen dient allein dazu, diesen nicht mit der gleichen Achtung begegenen zu müssen wie den menschlichen Artgenossen. Es gibt aber kein ethisch tragfähiges Argument, das diese angenommene Wertedifferenz begründen könnte. Ärgerlich, dass man dies nach den ausführlichen Diskussionen der letzten Jahrzehnte immer noch erklären muss. Manchem Foristen stünde es gut an, sich nur zu dem zu äußern, wovon er/sie auch etwas versteht. Eine Meinung zu haben ist allzu einfach. Begründungen sind dann meist etwas schwieriger, aber für fruchtbare Diskussionen unverzichtbar.
spiegkom 21.08.2013
4. Akzeptabel
Da in D hunderttausende Vögel und Fledermäuse Windrädern zum Opfer fallen, sollte man sich nicht wegen der Möven in der Arktis nicht aufregen. Ich komme das sowieso nie hin. Mit dem Vogelschutz könnte man ja mal in D beginnen, da hätte ich was davon.
kappesstepp 21.08.2013
5. Danke für die
Zitat von ansasWarum sollten Tiere nicht sterben? Die Wahl eines anderen Wortes soll doch nur einen Unterschied zementieren, der moralphilosophisch nicht haltbar ist. Die vom Menschen definierte Differenz zu nichtmenschlichen Lebewesen dient allein dazu, diesen nicht mit der gleichen Achtung begegenen zu müssen wie den menschlichen Artgenossen. Es gibt aber kein ethisch tragfähiges Argument, das diese angenommene Wertedifferenz begründen könnte. Ärgerlich, dass man dies nach den ausführlichen Diskussionen der letzten Jahrzehnte immer noch erklären muss. Manchem Foristen stünde es gut an, sich nur zu dem zu äußern, wovon er/sie auch etwas versteht. Eine Meinung zu haben ist allzu einfach. Begründungen sind dann meist etwas schwieriger, aber für fruchtbare Diskussionen unverzichtbar.
Belehrung, ich möchte Ihrer Weltanschauung aber lieber nicht beitreten. Es handelt sich um eine Angelegenheit der Sprache, Tiere "essen" und "trinken" (im Deutschen) auch nicht und werden auch nicht "geboren" (und dürfen bei mir auch nicht mit ins Bett). Übrigens ist es mir neu, dass Philosophie (jeden Respekt davor ansonsten) "Ergebnisse" erzielt, die dann jedermann "annehmen muss". Tiere sind Tiere, die verenden, schlüpfen oder werden geworfen, fressen und saufen und, jetzt gehe ich aber besser in Deckung, ich esse sie sogar. Jetzt gleich wieder eins, Mahlzeit.
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