Arktischer Ozean Winde erzeugen riesige Süßwasserbeule

Vor der Nordküste Grönlands sammelt sich Süßwasser im Meer - Forscher haben dort eine gewaltige Lache entdeckt, sie beult den Meeresspiegel großflächig um bis zu acht Zentimeter nach oben aus. Ungewöhnliche Winde sollen die Ursache sein.
Schmelzende Eisberge: "Neuer Normalzustand"

Schmelzende Eisberge: "Neuer Normalzustand"

Foto: Henrik Egede Lassen/ Alphas

London - Im Arktischen Ozean ist in den vergangenen Jahren eine große Süßwasserlache entstanden. Britische Forscher haben nun zirkulierende Winde als eine Ursache ausgemacht. Eine Analyse von Satellitenaufnahmen aus den Jahren 1995 bis 2010 habe diese Theorie bestätigt, schreiben die Wissenschaftler im Journal "Nature Geoscience" .

Angetrieben von den Winden drehe sich der sogenannte Beaufort-Wirbel stärker, sein Frischwassergehalt habe um rund 8500 Kubikkilometer zugenommen. Das ist mehr als das doppelte Volumen des Viktoriasees in Afrika.

Der Beaufort-Wirbel bewegt sich im Uhrzeigersinn vor den Nordküsten Grönlands, Kanadas und Alaskas; der Meeresspiegel ist dort um bis zu acht Zentimeter angeschwollen. Der Wind habe in den letzten Jahren häufiger als sonst aus der gleichen Richtung geblasen. Erst wenn sich die vorherrschende Windrichtung ändere, würde das Süßwasser aus der Lache laufen und sich im Meer verteilen, schreiben die Forscher.

Das eingetragene Süßwasser stammt vor allem aus einströmenden Flüssen und geschmolzenem Eis. Mittlerweile seien mehr als 70.000 Kubikkilometer Süßwasser in den oberen Schichten des Arktischen Ozeans gelagert, schreibt das Team um Katharine Giles vom University College in London.

Der wachsende Süßwasserpool des Beaufort-Wirbels könnte einmal das Klima in Europa beeinflussen, befürchten Experten. Ändern sich die Windströmungen in der Region, könnte das gespeicherte Wasser in den Nordatlantik strömen. Dort könnte das Süßwasser die Strömung von warmem Wasser aus den Tropen in Richtung Norden bremsen.

Hitze sammelt sich

Die Arktis hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die Menge des Meereises hat dem Forschungsreport "Arctic Report Card" zufolge dramatisch abgenommen, ebenso seien Gletschermassen geschwunden. Weil sich weniger Eis auf dem Wasser befindet, wird weniger Hitze reflektiert - was die Temperaturen in der Arktis noch weiter steigen lässt. "Wir haben einen neuen Normalzustand", sagt der Forscher Don Perovich vom U.S. Army Corps of Engineers.

2011 ist die Eisdecke der Arktis erneut stark geschwunden- die Forscher maßen im September den zweitniedrigsten Stand seit 1979. Die Wassertemperatur scheine sich zu stabilisieren, allerdings stellten die Forscher an einigen Stellen fest, dass der arktische Ozean versauere. Das passiert, weil das Wasser vermehrt Kohlendioxidaus der Atmosphäre aufnimmt.

Die Lufttemperatur lag 2011 um rund 1,5 Grad Celsius höher als der Durchschnittswert der vergangenen 30 Jahre, teilten Wissenschaftler bei der Vorstellung eines jährlichen Berichts der US-amerikanischen Meeresforschungsbehörde NOAA mit.

Für die Schifffahrtbieten die Veränderungen eine Chance: Neue Seewege öffnen sich, wo sonst Eismassen die Durchfahrt blockierten. Wale, die aus wärmeren Regionen in die Arktiswandern, hätten ebenfalls Vorteile durch das wärmere Wasser, da sie länger in den Polarregionen bleiben könnten. Grönlandwale, die seit Jahrhunderten in getrennten Populationen vor Alaskaoder Grönland lebten, könnten nun wieder die Arktis durchqueren.

boj/dpa