Artenschützer Isländer betreiben "Piratenwalfang"

Kurz vor der Tagung der Internationalen Walfangkommission haben isländische Fischer einen Buckelwal getötet - angeblich unabsichtlich. Tierschützer kritisieren das Vorgehen als "Piratenwalfang".


Buckelwal: Bedrohung durch Beifang
AP

Buckelwal: Bedrohung durch Beifang

Wenige Tage vor dem Beginn des Treffens der Internationalen Walfangkommission (IWC), das in diesem Jahr in Berlin stattfindet, haben sich Artenschützer auf das unlängst wieder der Kommission beigetretene Island eingeschossen. Die Münchner Organisation Pro Wildlife kritisierte scharf das Vorgehen isländischer Fischer, die noch kurz vor der Tagung einen Buckelwal töteten.

Während die Fischer das neun Meter lange und sechs Tonnen schwere Tier als unabsichtlichen Beifang deklarierten, vermutet Pro Wildlife dahinter System: "Da die Fischer die Wale ungehindert mit großem Gewinn verkaufen können, ist die Versuchung groß, Wale trotz Verbot aktiv in die Fischernetze zu treiben und zu töten", erklärte die Biologin Sandra Altherr. "Das ist dann allerdings Piratenwalfang."

Nach einer Studie, die Pro Wildlife in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen erstellt hat, ist der Fang des Buckelwals kein Einzelfall. Regelmäßig, so die Artenschützer, tauche in isländischen Supermärkten und Restaurants Fleisch von Walen und Delfinen auf. Obwohl die Tötung der Tiere nach isländischem Recht illegal sei, unternehme die Regierung nichts dagegen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Antrag, den Island auf der IWC-Tagung in Berlin vorlegen wird, zusätzliche Brisanz: Ähnlich wie Japan will das Land im Rahmen eines zweijährigen Forschungsprogramms 200 Finnwale, 100 Seiwale und 200 Zwergwale töten. Pro Wildlife und die Umweltorganisation WWF mutmaßen dagegen, dass Island einen Verkauf des Walfleisches nach Fernost plant.

Auf dem Treffen wollen die Walfanggegner eine von 19 Ländern gestützte "Berliner Initiative" zur Abstimmung vorlegen, welche die Einrichtung eines IWC-Ausschusses zum Schutz der Wale zum Ziel hat. Auch die Bedrohung der Meeressäuger durch Beifang soll diskutiert werden: "Jedes Jahr sterben mehr große Wale, Delfine und Tümmler in Fischernetzen als durch Harpunen", so der WWF-Walexperte Volker Homes.



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