Artenschutz Riesige Meeresschildkröte droht auszusterben

Die Hochseefischerei könnte der über zweieinhalb Meter großen Lederschildkröte zum Verhängnis werden: Forscher befürchten die völlige Ausrottung des imposanten Meerestieres.

Meeresschildkröten, die seit 150 Millionen Jahren die Ozeane bevölkern, haben die Dinosaurier überlebt. Ob sie auch den Menschen überleben, ist jedoch zweifelhaft: Zumindest die riesenhafte Lederschildkröte steht Meeresbiologen zufolge vor der endgültigen Ausrottung. Allein in den letzten 13 Jahren ist der weltweite Bestand von mehreren hunderttausend Exemplaren auf nur noch 40.000 zurückgegangen, berichteten Experten am Dienstag auf einer internationalen Konferenz im kalifornischen Pacific Grove.

"Der Rückgang in den letzten fünf Jahren ist geradezu katastrophal", sagte Sylvia Earle von der US-Forschungsbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration. Zu den größten Bedrohungen von Dermochelys coriacea, wie die Lederschildkröte wissenschaftlich heißt, gehören die Hochseefischerei und die zunehmende Bebauung der Küsten. Dadurch verlieren die größten Meeresschildkröten der Welt immer mehr Nistplätze.

Die bis zu 2,70 Meter langen und bis über 900 Kilogramm schweren Tiere kommen jedes Jahr zwischen Oktober und Februar an Land - meist dort, wo sie selbst geboren wurden. An der mexikanischen Pazifikküste wurden einst mehr als 1300 weibliche Lederschildkröten zur Eiablage gezählt, jetzt sind es nach Angaben von Todd Steiner, der das Sea Turtle Restoration Project  leitet, kaum noch 70. Und in Malaysia wurden zuletzt nur noch vier der imposanten Meerestiere beobachtet. "Wir müssen schnell eine Lösung finden, weil uns nur noch wenige Jahre bleiben", mahnt der Experte.

Sein Kollege James Spotila von der Drexel University in Philadelphia hat deshalb den Leatherback Trust  gegründet. Die Organisation bemüht sich unter anderem darum, Nistplätze aufzukaufen, um die Küsten vor dem Bau von Hotels und Ferienanlagen zu bewahren. Dennoch landen viele Schildkröten in den Netzen der Hochseefischer, bevor sie je eine Chance haben, sich fortzupflanzen.

Besonders bedrohlich ist der Schwertfischfang: In den Treib- und Schleppnetzen verenden jedes Jahr Hunderte von "Leatherbacks". Rund 30 Prozent des Schwertfischs landen in den Küchen amerikanischer Familien. Deswegen wollen die Schildkrötenschützer verstärkt die Verbraucher aufklären. "Wenn wir unser Verhalten nicht ändern, sind die Lederschildkröten nur die Ersten, die verschwinden werden", warnt Steiner.

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