Artenschutz Wie die Freifrau für die Orang-Utans kämpft

Im Artenschutz kann gut Gemeintes gründlich danebengehen - Streit zwischen Wissenschaftlern und Tierschützern ist programmiert. Mittendrin in der Debatte steht Ulrike Freifrau von Mengden, eine 87-jährige in Indonesien lebende Deutsche, die sich schon seit 55 Jahren um Orang-Utans kümmert.

Von Dominik Baur


Ibu Ullas Haus steht mitten im Zoo von Jakarta. Das einzige Privatgrundstück dort bezog sie bereits bei der Eröffnung des Tierparks in den Sechzigern und hat dort lebenslanges Wohnrecht. Die Deutsche sitzt auf ihrer Veranda beim Frühstück. Auf der Lehne des Stuhls gegenüber hat es sich Tinchen bequem gemacht, ein zahmer Nashornvogel, den sie vor drei Jahren aufgenommen hat. In einem Schuhkarton hatte man ihn gefunden und konfisziert. Seither hält Tinchen ihrer Retterin die Treue.

Auch ein Kakadu, der sich selbst die Federn ausgerissen hat, wohnt bei Ibu Ulla. Dass er aussieht wie ein Brathähnchen, schmälert von Mengdens Zuneigung nicht. Außerdem besitzt Ulrike von Mengden drei Hunde und rund ein Dutzend Katzen - die Hausherrin hat selbst schon den Überblick verloren. Die Freifrau hat ein großes Herz für Tiere.

Besonders für Orang-Utans. Seit Jahrzehnten schon gilt sie in Jakarta als Anlaufstelle, wenn man mal wieder nicht weiß, wohin mit einem Orang-Utan. Erst vor ein paar Monaten landete ein neues Orang-Kind in der Obhut von Ibu Ulla: Mucki. Fünf bis sechs Jahre mag der Affe alt sein, in einem Rucksack wurde er abgegeben. Genaues weiß man nicht. Ein typischer Fall. Da die Haltung von Orang-Utans strafbar ist, behaupten die früheren Besitzer gern, sie hätten das Tier auf der Straße gefunden.

Ulrike von Mengden hat ihr Leben den Orang-Utans gewidmet. Im nahe gelegenen Schmutzer-Primatenzentrum haben sie ihr schon zu Lebzeiten eine Statue errichtet. Und doch liegt die energische Ostpreußin im Dauerclinch mit dem derzeitigen Zoodirektor Sri Mulyono. Sie wirft ihm vor, er gebe seinen Orang-Utans noch nicht mal genügend zu fressen; er wirft ihr vor, sie halte ihre Tiere nicht den Regeln entsprechend. Und wie es scheint, haben beide Recht.

Auch von anderen Menschen, die sich im Kampf für das Überleben der Orang-Utans einsetzen, wie etwa Willie Smits, dem wohl bekanntesten Orang-Utan-Schützer auf Borneo, fühlt die Freifrau sich im Stich gelassen. "Wenn die Wissenschaftler anfangen, dann kann man nur noch aufgeben", klagt sie. Unter den Wissenschaftlern hingegen stößt auf Unverständnis, dass von Mengden die Sumatra-Orang-Utans in ihrer Obhut nicht für eine Auswilderung in Bukit Tigapuluh hergibt und dass sie zulässt, dass sich ihre Tiere, die in Jakarta in winzigen, dunklen Käfigen hausen müssen, auch noch fortpflanzen. Aber auch unter diesen Artenschützern herrscht nicht immer Einigkeit über die richtigen Methoden zur Rettung der Affen. Heftige Vorwürfe gibt es da auch unter denen, die am selben Strang ziehen sollten.

Unbestritten jedenfalls ist, dass im Artenschutz gut Gemeintes oft gründlich daneben geht. Bestes Beispiel: Bukit Lawang. Zurück zum Haupttext.



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