Artensterben Große und kleine Spezies sind besonders gefährdet

Viele Tierarten sind vom Aussterben bedroht. Forscher berichten nun von einem überraschenden Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gefährdung.

Elefant im Amboseli-Nationalpark, Kenia
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Elefant im Amboseli-Nationalpark, Kenia


Fast ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste gelten als bedroht. Erst vor Kurzem stufte die Weltnaturschutzorganisation IUCN etwa die Riesen-Elenantilope als "bedroht" ein. Die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus, die in den Achtzigerjahren noch häufig auf einer australischen Inseln zu finden war, ist laut der kürzlich aktualisierten Liste inzwischen ausgestorben.

Dass der Mensch in vielen Fällen dafür verantwortlich ist, dass Tierbestände abnehmen und Arten aussterben, betont nicht nur die IUCN. Auch eine internationale Forschergruppe, die im Fachmagazin "PNAS" über bedrohte Wirbeltierarten berichtet, sieht den Mensch als zurzeit größten Risikofaktor.

Das Team um William Ripple von der Oregon State University in Corvallis untersuchte den Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Aussterberisiko bei insgesamt 27.647 Wirbeltier-Arten, die in der Roten Liste erfasst sind. Es handelte sich dabei entsprechend um Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Knochen- und Knorpelfische.

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Rote Liste: Diese Arten sind vom Aussterben bedroht

Besonders große und besonders kleine Arten haben demnach ein höheres Risiko auszusterben als mittelgroße. Weiter fanden die Wissenschaftler, dass auch die Größe des Lebensraums die Gefährdung einer Tierart mitbestimmte: Bei einem kleinen Verbreitungsgebiet ist das Risiko des Aussterbens größer.

Große werden gejagt, Kleine verlieren ihren Lebensraum

Für die stärkere Gefährdung großer Tierarten sei vor allem der Mensch verantwortlich, weil er Tiere beim Fischen oder Jagen töte oder ihre Körperteile für medizinische Zwecke nutze. Kleinere Tierarten seien vor allem durch die Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet - was letztendlich auch der Mensch verursacht. "Zu wissen, dass die Körpergröße mit der Gefährdungswahrscheinlichkeit einer Art zusammenhängt, erlaubt es uns, das Aussterberisiko von Arten abzuschätzen, über die wir nur sehr wenig wissen", sagt Ripple.

Dass es einen Zusammenhang zwischen Körpergröße und Gefährdung einer Tierart gibt, hatten Wissenschaftler im vergangenen Jahr bereits für Meerestiere gezeigt. Einen derartigen Zusammenhang habe es bei den fünf großen Massensterben der vergangenen 445 Millionen Jahre nicht gegeben, schrieb eine Gruppe um Jonathan Payne von der Stanford University im Fachblatt "Science".

Zeichen des Niedergangs

Dass Messungen der Körpergröße auch innerhalb einzelner Arten frühzeitig auf einen drohenden Einbruch der Bestände hinweisen, zeigten Forscher durch die Analyse von Fangdaten von vier Walarten aus dem 20. Jahrhundert. Sie stellten fest, dass die Durchschnittsgröße der gefangenen Tiere zunehmend schrumpfte - und zwar schon Jahrzehnte vor dem Kollaps der jeweiligen Bestände.

Die mittlere Größe gefangener Pottwale - eine der am stärksten bejagten Arten - sank von 1905 bis zu den Achtzigerjahren um vier Meter. Das berichtete ein Team um Christopher Clements von der Universität Zürich im Fachblatt "Nature Ecology & Evolution".

wbr/dpa



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