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27. August 2004, 14:58 Uhr

Artensterben

Hochsee-Angler gefährden Fischbestände

Obwohl sie viel weniger Fische aus dem Meer holen als Profi-Fischer, sind Hochsee-Angler zu einer Gefahr für bestimmte Arten geworden. Bei bedrohten Fischbeständen liegt ihr Anteil am Gesamtfang bei einem Viertel. Wissenschaftler fordern stärkere Restriktionen für Freizeitfischer.

Geangelte Tunfische: Angellizenzen aus der Lotterie?
NMFS/ NOAA

Geangelte Tunfische: Angellizenzen aus der Lotterie?

Amerikanische Fischerei-Experten waren bisher davon ausgegangen, dass nur rund zwei Prozent der in den Meeren vor den USA gefangenen Fische auf das Konto der Freizeitangler gehen. Doch dieser Prozentsatz ist bei einigen Arten viel zu klein, glaubt Felicia Coleman von der Florida State University in Tallahassee.

Sie und ihre Kollegen hatten Fangstatistiken der vergangenen 22 Jahre durchforstet und dabei ganz andere Zahlen ermittelt. Demnach werden immerhin vier Prozent des gesamten Fangs von Anglern aus der See geholt, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "Science".

Diese Zahl scheint immer noch wenig bedrohlich. Da es die Angler jedoch vor allem auf große Raubfische abgesehen haben, deren Fang für Profi-Fischer in der Regel stark eingeschränkt ist, stellt sich die Lage in Wahrheit etwas anders dar. Bei überfischten Arten liege der Anteil der Hobby-Fischer bei 23 Prozent, schreiben Coleman und ihre Kollegen.

Bei einzelnen Arten, wie dem Red Drum (Sciaenops ocellatus), der gern in Butter gebraten verspeist wird, fangen die Angler sogar 93 Prozent aller aus dem Meer geholten Fische. Coleman fordert deshalb stärkere Restriktionen für die mehr als zehn Millionen Freizeitfischer in den USA.

Meeres-Angler: Vorliebe für große Raubfische
AP

Meeres-Angler: Vorliebe für große Raubfische

Hochseeangeln ist in Amerika in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. In der Folge wurden bereits erste Beschränkungen für die Angler erlassen, etwa beim Fang von Kabeljau. Falls es eine Art zu stark dezimiert sei, dann würden auch die Quoten je Angler gesenkt, erklärt Coleman. Doch weil immer mehr Menschen am Wochenende zum Fischen aufs Meer hinausfahren würden, steige die Menge der geangelten Fische trotzdem an.

Manche US-Bundesstaaten verlangten nicht einmal einen speziellen Hochsee-Angelschein, beklagt die Forscherin. Sie empfiehlt, Angellizenzen in einer Lotterie zu verlosen, wie es bei einigen andern Tierarten schon üblich sei. "Angeln ist ein wundervoller Zeitvertreib, aber nicht jeder wird ihm immer dann nachgehen können, wann er will."

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