Zerstörung von Lebensräumen Nur drei Prozent der weltweiten Ökosysteme sind noch intakt

Die Ökosysteme sind durch das Artensterben leer gefegt, so der erschreckende Befund eines internationalen Forscherteams. Doch es gibt einen Weg zurück in die unberührte Natur.
Waldelefanten im Kongobecken sind fast komplett verschwunden

Waldelefanten im Kongobecken sind fast komplett verschwunden

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Je weniger davon es gibt, umso mehr wird sie zum Sehnsuchtsort: unberührte Natur, mit seltenen Pflanzenarten und ungestörten Wildtieren. Orte ohne Fabrikschlote, Hotelhochburgen, Plantagen oder verstreute Einfamilienhäuser werden immer seltener.

Weltweit gelten sogar nur noch knapp drei Prozent als ökologisch unberührte Landflächen. Das errechneten Forscher in einer Studie , die im Fachjournal »Frontiers in Forests and Global Change« erschienen ist. Nach Ansicht des internationalen Wissenschaftlerteams gibt es auf diesen Flächen nur einen geringen menschlichen Fußabdruck und keinen bekannten Artenverlust. Dazu zählten Teile des Kongobeckens , des Amazonas , der russischen Tundra und einige Wüsten wie die Sahara. Besonders intakte Gebiete befanden sich meist in Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

»Wir wissen, dass intakter Lebensraum zunehmend verloren geht«, sagt Studienautor Andrew Plumptre. Dabei sei der Wert eines intakten Lebensraums sowohl für die biologische Vielfalt als auch für den Menschen hoch.

Durch Artensterben verarmen die Ökosysteme

Die Forscher prüften, wo Arten komplett verschwunden sind oder ihre Populationen so stark dezimiert wurden, dass sie ihre Rolle im Ökosystem nicht mehr ausfüllen können. Obwohl die Lebensräume auf einem Satellitenbild oftmals intakt erschienen, fehlten häufig Tiere darin, die zuvor dort gelebt hatten.

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Tierische Einwanderer

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Die Gründe für das Leerräumen der Ökosysteme sind vielfältig. »Die Jagd auf große Säugetiere oder Vögel kann viele Arten aus solchen Lebensräumen entfernen«, sagte Plumptre. Beispielsweise seien Waldelefanten im Kongobecken mittlerweile fast verschwunden.

Auch durch Krankheiten könnten bestimmte Arten aussterben, so geschehen etwa bei den Gorillas im Kongo. Neu angesiedelte Arten führten oftmals dazu, dass vorhandene Arten ausgerottet werden – wenn zum Beispiel Katzen sich auf Inseln verbreiten.

Seit Jahren warnen Naturschützer vor einem sechsten Massensterben und einem dauerhaften Verlust der Artenvielfalt. So sind laut einem 2020 erschienenen Bericht der Umweltstiftung WWF und der Zoologischen Gesellschaft London mehr als zwei Drittel der bekanntesten Tierarten in den vergangenen 50 Jahren vom Menschen vernichtet worden. Tausende Tiere stehen zudem auf der Roten Liste der gefährdeten Arten  der Weltnaturschutzunion.

Diese Daten der »Roten Liste« nutzte auch das internationale Forscherteam um Andrew Plumptre. Sie betrafen Säugetiere, Vögel, Fische, Pflanzen, Reptilien und Amphibien.

»Wir sollten uns auch um die Wiedereinführung von Arten kümmern und so versuchen, wieder intakte Ökosysteme herzustellen«, so Plumptre gegenüber der britischen Tageszeitung »The Guardian«. Denn den Forschern zufolge lasse sich der Anteil von Lebensräumen mit intakter Tierwelt auf etwa 20 Prozent erhöhen, wenn gezielt Arten in Gegenden wiedereingeführt würden, die vom Menschen noch weitgehend unberührt sind. Längerfristig könnten die Lebensräume dann ihre ökologische Funktionalität zurückerlangen und sich regenerieren.

sug/dpa
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