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Artenschutz: Frösche vom Aussterben bedroht

Foto: Andrew J. Crawford

Artensterben Tödlicher Pilz bedroht Existenz der Amphibien

Wissenschaftler nennen es das größte Artensterben seit dem Tod der Dinosaurier: Seit zwei Jahrzehnten sterben weltweit massenhaft Amphibien. Schuld daran ist eine Pilz-Epidemie. Forscher haben jetzt erstmals das Ausmaß der tödlichen Seuche beziffert - allein in Panama wurden 40 Prozent aller Froscharten dahingerafft.

Überall auf der Welt verschwinden Frösche, Unken, Molche, Kröten und Salamander. Und zwar immer schneller. Forscher bezeichnen es bereits als das größte Massensterben seit dem Untergang der Dinosaurier. Der Tod kommt für die Amphibien schleichend. Schuld daran trägt ein unscheibarer Schädling: Ein Pilz namens Batrachochytrium dendrobatidis, kurz Chytridpilz, dem vor allem Tausende Frösche und Lurche zum Opfer fallen.

Normalerweise ist der Pilz harmlos und hilft, Pflanzenleichen zu kompostieren. Doch für die Frösche ist er tödlich: Der Chytridpilz greift die Hornsubstanz Keratin der Haut an und verstopft die Poren. Den Fröschen wird das zum Verhängnis, weil sie auch über die Haut atmen - einem befallenen Amphibium droht letztlich der Erstickungstod.

Vor allem in der Karibik und in Mittelamerika hat der Pilz unter Fröschen gewütet, seit mehr als zwei Jahrzehnten schon. Jetzt hat ein Forscherteam die Auswirkungen der Epidemie auf die erstmals beziffert. Die Bilanz von Andrew Crawford und seinen Kollegen vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama ist erschreckend: Nachdem der Pilz in einem Nationalpark in Zentralpanama auftauchte, blieben nur knapp 60 Prozent der Spezies übrig, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences". 

Präzise Daten über die nachhaltigen Auswirkungen der Krankheit lagen bisher nicht vor. Es fehlten Vergleichsdaten über die Tierbestände vor der Krankheitswelle. Diese haben die Wissenschaftler des Smithsonian Tropical Research Institute jetzt vorgelegt.

30 Spezies leben nicht mehr

Für ihre Untersuchungen hatten die Biologen 2004 im Omar Torrijos National Park in El Copé in Zentralpanama 63 Froscharten identifiziert und gesammelt. Nach der Pilz-Epidemie durchsuchten sie das Areal von vier Quadratkilometern erneut. Dabei stellten sie fest, dass insgesamt 30 der Spezies ausgestorben waren.

Um ihre Ergebnisse abzusichern, nutzten sie ein DNA-Barcoding-Verfahren. Dabei wird für die Bestimmung von Organismen-Arten immer ein spezielles Gen der Mitochondrien untersucht, den Kraftwerken der Zellen. Dieses standardisierte DNA-Fragment dient quasi als Barcode für die schnelle Artenbestimmung. Dadurch entdeckten die Wissenschaftler auch elf neue Froscharten.

"Es ist eine traurige Ironie, dass von den elf bisher unbekannten Froscharten gleich wieder fünf durch die Pilzkrankheit ausgelöscht worden sind", sagt Crawford. Die Pilzkrankheit hat damit von insgesamt 74 Froscharten in dem Nationalpark 30 hinweggerafft. "Chytridiomykose reduziert also die Amphibien-Artenvielfalt um 41 Prozent", konstatieren die Wissenschaftler.

Bereits in den achtziger Jahren hatten Biologen das rätselhafte Amphibiensterben bemerkt. Selbst in nahezu unberührten Gegenden verschwanden plötzlich bis dahin stabile Populationen. Erst 1998 kam man dem Rätsel auf die Spur und stellte fest, dass sich der Chytridpilz unter den Fröschen ausgebreitet hatte.

Aber nicht nur die Frösche sind gefährdet. Biologen fürchten, dass in den nächsten Jahrzehnten auch jede fünfte Eidechsenart verschwinden könnte. Der Grund ist jedoch menschengemacht - die Klimaerwärmung.

cib/ddp
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