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Biber: Nager auf dem Vormarsch

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Artenvielfalt Deutschland wird wieder Biberland

Der Biber war in Deutschland fast ausgerottet. Doch mittlerweile haben die Tiere sogar Großstädte wie Frankfurt oder Berlin zurückerobert. Umweltschützer freut das, doch es gibt auch skeptischere Stimmen.

Die Biber breiten sich in Deutschland aus und machen auch vor Großstädten nicht halt. So haben die Nagetiere jetzt Frankfurt erreicht. Am nördlichen Rand der Stadt sind die Spuren nicht zu übersehen: angefressene Bäume am Ufer der Nidda. "Vor einigen Wochen gab es die ersten Biberbeobachtungen in der Stadt", berichtet Biologe Mark Harthun vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen.

Bundesweit gibt es nach seinen Angaben bereits wieder zwischen 18.000 und 20.000 Biber. Die Umweltorganisation WWF geht sogar von 21.000 Tieren aus: 6000 Elbebiber und 15.000 Biber anderer Unterarten, die besonders in Süddeutschland verbreitet sind. Die Tiere werden bis zu 130 Zentimeter lang und 20 bis 30 Kilogramm schwer. Zu erkennen sind sie an ihrem charakteristischen platten Schwanz.

"Die Bestandsentwicklung ist positiv, besonders nachdem er fast ausgestorben war", sagt Roland Gramling vom WWF. Weit verbreitet sei der Biber an der Elbe, etwa bei Dessau. Sein Überleben sei allerdings weiter durch zersplitterte Landschaften, Abwässer oder plötzliche Überflutungen bedroht.

Biber gibt es laut Gramling inzwischen auch im Berliner Stadtgebiet, im Bezirk Spandau. Knapp 300 Biber bevölkern derzeit Hessens Flüsse und Bäche, berichtet Jürgen Siek vom Regierungspräsidium in Darmstadt und Hessens Bibermanager. Jedes Jahr werden es mehr. Das Land ist nach Einschätzung der Experten auf einem guten Weg zur flächendeckenden Wiederansiedlung.

"Nicht so toll, wenn der Biber die Felder überflutet"

Naturschützer freuen sich über die Ausbreitung des Bibers. "Der Biber ist ein Wegbereiter für die Renaturierung unserer Gewässer", sagt Nabu-Mann Harthun. Er helfe kostenlos, die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union umzusetzen, die den guten Zustand aller Gewässer verlange. Der Biber bringe zudem andere Arten "im Schlepptau" mit, vor allem Amphibien, aber auch Vögel wie die Uferschwalbe. "Dadurch steigt die Artenvielfalt."

Auch der Chef der unteren Naturschutzbehörde in Frankfurt, Volker Rothenburger, sieht keine Probleme durch die Ausbreitung des Bibers. An Main und Nidda werde der Biber auch keine Dämme bauen. "Nur der Eingang zu seiner aus Stämmen und Ästen gebauten Höhle, der Biberburg, muss unter Wasser liegen. Dafür genügen 50 Zentimeter Wassertiefe", sagt Mark Harthun. Deshalb stauten Biber das Wasser nur an flachen Gewässern auf.

Bäume fällen die Tiere allerdings trotzdem. "Sie wollen an die Triebspitzen kommen, das ist ihre Winternahrung", erläutert Rothenburger. Treiben die gefällten Bäume den Fluss hinunter, könne das Treibgut an Brücken hängen bleiben und müsse entfernt werden. "Das ist ein Mehraufwand, aber kein Schaden."

Skeptischer ist der Hessische Bauernverband. "Natürlich ist es nicht so toll, wenn der Biber durch seinen Dammbau die Felder überflutet", sagt Verbandssprecher Bernd Weber. Das Problem sei aber überschaubar. "Wichtig ist, dass mit den Landwirten vor Ort gesprochen wird." Um Konflikte zu vermeiden, kauft das Land Hessen in Extremfällen den Bauern Land ab.

Zu erbitterten Diskussionen hatte der Biber dagegen im Oderbruch an der Grenze zu Polen geführt. Dort hatten die Tiere kilometerweise Hochwasserschutzdämme beschädigt. Weil die Region hinter dem Deich sehr niedrig liegt, würde sie im Zweifelsfall überflutet werden. Daher hatten einige Lokalpolitiker ein offensives Vorgehen gegen die Tiere gefordert. Brandenburgs Hochwasserschützer setzten dagegen auf eine Verstärkung der Deiche mit Stahlmatten.

chs/dpa
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