Artenvielfalt Bienen haben weniger Blümchensex

Insektenkundler haben ein bedrohliches Beziehungsproblem aufgespürt. Auf den Feldern und Wiesen in Großbritannien und den Niederlanden gibt es immer weniger Blumen und Bienen, die auf sie fliegen. Experten bangen um die Artenvielfalt.
Von Franziska Badenschier

"Die Ergebnisse sind schlimmer, als ich befürchtet hatte", zitiert das Fachjournal "Science" den kanadischen Insektenkundler Peter Kevan. Seit über 25 Jahren haben einige seiner europäischen Kollegen Bienen und Schwebfliegen beobachtet - und nun ein Bestäubungsproblem niederländischer und britischer Wiesen publik gemacht: Die Vielfalt an Bienen und der Reichtum an insektenliebenden Pflanzenarten sei dramatisch zurückgegangen, schreiben die Biologen in der aktuellen "Science"-Ausgabe.

Weniger Bienenarten wurden auf der Hälfte des britischen Gebietes und auf zwei Dritteln der niederländischen Fläche gezählt. Projektleiter Jacobus Biesmeijer prophezeit, dass "viele der seltenen Arten nun so rar sind, dass sie wahrscheinlich in den jeweiligen Landstrichen komplett verschwinden werden". Jeglicher Verlust an Biodiversität sei eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse, schreiben die Biologen in der Studie, aber den Rückgang von bestäubenden Insekten finden sie besonders beunruhigend: "Das beeinflusst die Pflanzenvermehrung."

Immerhin: Die Wissenschaftler hätten auch festgestellt, dass die Anzahl der Bienen liebenden Blumenarten während der letzten zweieinhalb Jahrzehnte zurückgegangen ist. 75 Arten wilder Pflanzen, die süchtig nach Insekten sind, wären seltener gefunden worden. Gleichzeitig seien 30 Blumenspezies, die ohne Bienen auskommen, öfter gesichtet worden. Diese Arten ließen sich durch Wind oder Wasser bestäuben.

Bestäubungskrise wegen Blümchensex-Problem

Und noch einen Zusammenhang hätten die Insektenforscher festgestellt: Die Artenvielfalt an Bienen und Schwebfliegen verringerte sich je nach Vorlieben der Insekten unterschiedlich. Bei den Spezies, die besonders gut an einen bestimmten Lebensraum angepasst sind oder die sich relativ langsam entwickelten, seien weniger Bienen gezählt worden als bei den mobilen Schnellentwicklern.

All diese Erkenntnisse zeigten laut Studienbericht eindeutig, dass es einen ganz bestimmten Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Pflanzenvielfalt und dem der Bienen gebe. Unklar sei nach Angaben von Biesmeijer jedoch, was Ursache und was Wirkung ist.

Laut der Studie konnte das Forscherteam anhand der Daten nämlich nicht sagen, ob der Rückgang der Pflanzen dafür sorgt, dass es weniger Bienen gibt - oder ob die weniger vorhandenen Bienen dazu führen, dass sich weniger Pflanzen vermehren und somit für die verringerten Pflanzenreichtum verantwortlich sind.

Ob auch Deutschland oder andere Länder auf ihren Feldern und Wiesen ein Blümchensex-Problem haben, darüber wollen die Biologen nicht spekulieren. Teamleiter Biesmeijer schrieb: "Unsere Ergebnisse beweisen nicht, dass es eine weltweite Bestäubungskrise gibt."

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