Artenvielfalt Gates finanziert Pflanzen-Arche-Noah

Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates unterstützt die Einlagerung von Nutzpflanzensamen in einem Speicher auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Das Projekt soll helfen, die Artenvielfalt in der Landwirtschaft zu sichern.


"Der Kampf gegen den Hunger kann nicht gewonnen werden, ohne die sich schnell verringernde Getreidevielfalt zu sichern", erklärte der Global Crop Diversity Trust am heutigen Donnerstag in Rom. Die Bill & Melinda Gates Foundation finanziert das Projekt mit 37,5 Millionen Dollar (27,5 Millionen Euro), Norwegen steuert 7,5 Millionen Dollar bei. Mit dem Geld sollen Proben von Nutzpflanzen aus Entwicklungsländern nahe der Stadt Longyearbyen auf Spitzbergen in arktischer Kälte konserviert werden. Neben diesem "Arche Noah der Nahrung" genannten Speicher ist eine Gen-Datenbank in Planung.

Reiskörner: Gates-Stiftung gibt 37,5 Millionen Dollar für einen Saatgutspeicher im Eis
REUTERS

Reiskörner: Gates-Stiftung gibt 37,5 Millionen Dollar für einen Saatgutspeicher im Eis

Entwicklungsländer und internationale landwirtschaftliche Forschungszentren sollen im Rahmen der Initiative mindestens 450.000 verschiedene Samenproben an das Svalbard Global Sees Vault in der Nähe des Nordpols schicken können. Das Lager soll im März 2008 eröffnet werden, die Grundsteinlegung erfolgte im Juni 2006. Außerdem will die Initiative ein Informationssystem finanzieren, dass vier Millionen Proben von mehr als 2000 Sorten von über 150 unterschiedlichen Nutzpflanzen enthält - das sind insgesamt 85 Prozent der Vielfalt aller in der Landwirtschaft genutzten Pflanzen.

Mit der Aktion sollen insbesondere sogenannte "orphan crops" ("Waisen-Früchte") geschützt werden. Der Begriff bezeichnet Getreidesorten, die für die Ernährung der armen Bevölkerung in Entwicklungsländern besonders wichtig ist. Die genetische Vielfalt sei der Rohstoff, "der Pflanzenzüchtern und Landwirten ermöglicht, ertragreichere, nahrhaftere und weniger stressanfällige Arten zu entwickeln", erklärten die Organisatoren der Initiative. "Unsere Anstrengungen, hundert Millionen Kleinbauern und ihren Familien bei der Überwindung der Armut zu helfen, beruhen zum Teil auf der Sicherstellung der Ernährung", sagte Sylvia Mathews Burwell von der Gates Foundation. Zudem erleichtere eine große Artenvielfalt die Anpassung von Pflanzen an das sich langsam verändernde Klima.

Unter den 21 Nutzpflanzen, deren Saatgut mit Unterstützung der Gates Foundation eingelagert werden soll, befinden sich zahlreiche von Züchtern vernachlässigte. Darunter sind auch Pflanzen, die nicht aus Samen heranwachsen, sondern aus Schnitten, Wurzeln oder Zellkulturen gezüchtet werden müssen. Dies macht ihre Konservierung komplexer und teurer. Wissenschaftler wollen deshalb zunächst preisgünstige Konservierungstechniken für Pflanzen wie Maniok, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Wasserbrotwurzel und Kokosnuss erforschen.

hda/AFP



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