Artenvielfalt in den Alpen Höhle, Höhle, Höhle

Vierfleck-Höhlenschlupfwespe, Höhlenlangbein und Keller-Glanzschnecke: In bayerischen Höhlen leben fast 200 verschiedene Tierarten. Forscher haben ein Jahr lang in der Dunkelheit nach ihnen gesucht.

Eine Höhlenassel (Proasellus calvaticus) ist in der Wendelsteinhöhle in Bayern unterwegs.
Klaus Bogon/ VdHK e.V.

Eine Höhlenassel (Proasellus calvaticus) ist in der Wendelsteinhöhle in Bayern unterwegs.


In der Dunkelheit der Höhlen gibt es mehr als nur Fels, Sand und Wasser: 13.000 Tiere von fast 200 verschiedenen Arten haben Experten in nur sieben Höhlen in den bayerischen Alpen entdeckt. Ein Jahr lang hatten die Fachleute gesucht. Am Donnerstag stellten sie ihre Ergebnisse auf dem Wendelstein vor.

Einige Arten konnten die Forscher erstmals in den Alpen nachweisen: So war die spinnenförmige Schneemücke (Chionea araneoides), eine flügellose, winteraktive Mückenart, bislang nur aus dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald bekannt. Dort bewohnt sie kalte Blockhalden.

Erster Höhlen-Pseudoskorpion seit 1966 gefunden

Das Team um Projektleiter Stefan Zaenker vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher fand die Art nun auch in der 573 Meter langen und 106 Meter tiefen Wendelsteinhöhle in Oberbayern.

Der Springschwanz (Schaefferia sexoculata) ließ sich sogar erstmals in Deutschland dokumentieren. Die Art ist sonst in schweizerischen, österreichischen und englischen Höhlen heimisch. Ein weiterer Erstnachweis für Deutschland ist die Scheufliege (Gymnomus soosi), die sich bisher nur in Bosnien gezeigt hatte.

Andere Funde sind sehr selten: In den Spielberghöhlen im Chiemgau etwa entdeckten die Forscher erstmals seit 1966 einen winzigen Höhlen-Pseudoskorpion.

Der Forscher Stefan Zaenker sucht Tiere in der Wendelsteinhöhle.
Peter Hofmann/ VdHK e.V.

Der Forscher Stefan Zaenker sucht Tiere in der Wendelsteinhöhle.

Als das Höhlentier des Jahres 2017 präsentierte Zaenker die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe (Diphyus quadripunctorius). Die Tiere überwintern in Naturhöhlen, Bergwerkstollen und Felsenkellern und stehen für "eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind", wie der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher mitteilte.

Das Höhlentier 2017: Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe.
Klaus Bogon

Das Höhlentier 2017: Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe.

Die Weibchen der schwarzgelben Vierfleck-Höhlenschlupfwespe tragen einen weißen Ring auf den langen Fühlern. Die Oberschenkel der Hinterbeine sind gelb. Auf ihrem schwarzen Hinterleib befinden sich vier helle Flecken, daher der Name.

Vierfleck-Höhlenschlupfwespe, Höhlenlangbein und Keller-Glanzschnecke

Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe löst als Höhlentier des Jahres den Vorjahressieger Höhlenlangbein (Amilenus aurantiacus) ab. Das Höhlenlangbein gehört zu den Weberknechten und steht für "eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind".

2015 zeichnete der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher die Keller-Glanzschnecke (Oxychilus cellarius) aus. Auch sie steht "für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind".

Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf bezeichnete den Erhalt sensibler Lebensräume als eine Schlüsselaufgabe für den Naturschutz. "Der Artenschutz ist die Grundlage für die Erhaltung der bayerischen Naturvielfalt. Diese müssen wir langfristig sichern", so Scharf. Die Höhlen im Alpenraum seien "biologische Juwelen und Archive längst vergangener Zeiten".



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