Artenvielfalt Jede zehnte Schmetterlingsart vom Aussterben bedroht

Die Landwirtschaft lässt die Lebensräume vieler Schmetterlinge schrumpfen. Zahlreiche Arten sind in Europa längst vom Aussterben bedroht, warnen Experten. Sie fordern den Erhalt von Biotopen - und das nicht nur wegen der farbenprächtigen Falter.

Passionsblumenfalter (Heliconiina) auf Flamingoblume: Pflanzenvielfalt sichert Artenvielfalt
dapd

Passionsblumenfalter (Heliconiina) auf Flamingoblume: Pflanzenvielfalt sichert Artenvielfalt


Hamburg - Europas Schmetterlinge müssen nach Ansicht von Biologen besser geschützt werden. Im Fachblatt "Nature Conservation" schlägt ein Team um Chris van Swaay von der niederländischen Schutzorganisation "Dutch Butterfly Conservation" nun Richtlinien zum Schutz der vielfach seltenen Insekten vor.

Zehn Prozent der europäischen Schmetterlinge sind den Autoren zufolge vom Aussterben bedroht. Hauptgrund dafür sind demnach vor allem schrumpfende Lebensräume. "Das richtige Bewirtschaften der Lebensräume ist der einzige und wichtigste Weg, das Überleben europäischer Schmetterlinge zu sichern", schreiben van Swaay und seine Kollegen.

Besonders wichtig sei der Erhalt der Pflanzenvielfalt und der von Wiesen, einem bevorzugten Lebensraum der Schmetterlinge. Besonders während der Puppen-Phase seien die unterschiedlichen Arten auf spezielle Pflanzen in ihrer Umgebung angewiesen. Das bedeute auch, komplette Wiesen nicht mit einem Mal abzumähen oder mit anderen Pflanzen zu bestellen.

10.000 weitere Insektenarten hängen von den Tagfaltern ab

Die Wissenschaftler um van Swaay betonen, dass die Richtlinien nicht nur den Schmetterlingen nutzen, sondern wichtig für die biologische Vielfalt sind. Schmetterlinge reagieren demnach sensibel auf ihre Umwelt, gehen schnell auf Veränderungen ein und gelten als Bioindikator ("Zeigertierchen").

Aufgrund ihrer engen Bindungen an den Lebensraum deutet das Auftreten eines bestimmten Schmetterlings auf ein bestimmtes Biotop hin. Und der Erhalt der Biotope der rund 170 Tagfalterarten Deutschlands sichert das Überleben von etwa 10.000 weiteren Insektenarten, die sonst kaum zu schützen wären.

Der aktuelle Verbreitungsatlas der europäischen Tagfalter zeigt, dass die Artenvielfalt innerhalb Europas nach Norden hin abnimmt. Herausgegeben wird das Buch von der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz unter der Leitung von Otakar Kudma. Besonders arm an Schmetterlingen sind demnach die britischen Inseln, die Niederlande und Dänemark.

In Deutschland geht es vor allem den verschiedenen Bläulingsarten schlecht, besonders dem hoch spezialisierten Lungenenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon). Seine Futterpflanze ist der seltene Lungenenzian, der bei uns in den ebenfalls selten gewordenen Heidemooren vorkommt.

Besonders gefährlich leben die Schmetterlinge, die es nur in einem einzigen Gebiet gibt - so wie der Samtfalter Hipparchia sbordonii. Er kommt ausschließlich auf der italienischen Insel Ponza vor. Große Flächenbrände - nicht selten gelegt durch die Eigentümer, um die Flächen zu roden und für die kommerzielle Nutzung interessant zu machen - haben zu einem drastischen Rückgang des Falters geführt. Wie alle endemischen Arten ist auch er anfällig für den Wandel der Landnutzung - auch, weil er keine Möglichkeit hat, in andere Gebiete auszuwandern.

nik/dpa



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