Auktion Mammut-Skelett bringt 260.000 Euro

Forscher schimpfen, das Auktionshaus Christie's verdient - und ein privater Sammler kann sich jetzt ein vier Meter hohes Urtier zu Hause aufbauen. Das Skelett eines sibirischen Mammuts wechselte zum Rekordpreis den Besitzer.


Paris - "Eine verderbliche Folge des Jurassic-Park-Effekts", nannte Pascal Tassy vom Pariser Naturkundemuseum die Auktion von prähistorischen Knochen in der französischen Filiale des britischen Auktionshauses Christie's. Für 260.000 Euro hatte dort gestern ein 15.000 Jahre altes, 3,80 Meter hohes und 4,80 Meter langes Mammutskelett den Besitzer gewechselt. Das melden die Nachrichtenagenturen AFP und Reuters. Die Nachrichtenagentur AP sprach gar von 312.000 Euro. Jedenfalls wurden die Erwartungen des Hauses für die Auktion des Mammuthus primigenius weit übertroffen. Der Startpreis betrug 150.000 Euro.

Auch für das Skelett eines eiszeitlichen Wollnashorns wurde mehr gezahlt als erwartet: Statt bis zu 65.000 Euro kam es für 100.000 Euro unter den Hammer. Die Skelette aus dem Besitz eines Privatsammlers wurden neben Fossilien und Kuriositäten des Tierarztes Jean Bouhana versteigert. Darunter befanden sich auch auch die 50 Millionen Jahren alte Überreste eines Urzeit-Fischs und von Trilobiten, 400 Millionen Jahren alten Gliederfüßlern. Insgesamt konnten Käufer 87 solcher Schätze aus längst vergangenen Zeiten erstehen.

Wissenschaftler hatten kritisiert, mit solchen Auktionen werde künstlich ein Markt für Fossilien geschaffen. Durch steigende Preise könnten sich viele Museen die Stücke nicht mehr leisten. Der Forscher Martin Pickford vom Collège de France warnte davor, durch die steigende Nachfrage von Privatleuten könne die Wissenschaft auf der Strecke bleiben. Sie ermutige Laien, überall nach Fossilien zu suchen. "Der Köder des Gewinns treibt sie dazu, Fossilien zu entnehmen, ohne sich im Mindesten um ihren geologischen Kontext zu kümmern. Sie zerstören damit wertvolle Zusatzinformationen."

"Das Problem ist, dass äußerst wichtige Stücke, die die Wissenschaft wirklich voranbringen könnten, sich unter den Posten befinden können", hatte der Paläontologe Philippe Janvier, ebenfalls vom Naturkundemuseum Paris, gewarnt. Die meisten Käufer bei der Auktion waren Privatpersonen. Allerdings hatten auch ein deutsches und ein französisches Museum - die beide nicht namentlich genannt wurden - kleinere Stücke ersteigert, wie ein Christie's-Sprecher sagte.

stx/AFP/AP/rtr



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