Ausbruch vor 2200 Jahren Forscher entdecken Vulkan in Antarktis

Unter der dicken Eisschicht der Westantarktis schlummert ein Vulkan. Britische Wissenschaftler haben nun die Spuren seines Ausbruchs vor mehr als 2000 Jahren entdeckt. Der Feuerberg unterm Eis trägt womöglich zum Abschmelzen der Gletscher bei.


Der Ausbruch brachte das Eis zum Schmelzen: Vor etwa 2200 Jahren, so glauben britische Forscher, stieg über der Westantarktis eine zwölf Kilometer hohe Rauchsäule auf. "Wir glauben, dass es der größte Ausbruch in der Antarktis der vergangenen 10.000 Jahre war", sagte Hugh Corr, Wissenschaftler vom British Antarctic Survey (BAS).

Corr und sein Kollege David Vaughan hatten die Spuren der gewaltigen Eruption in den Hudson-Bergen nahe des riesigen Pine-Island-Gletschers entdeckt ( Google-Maps-Link). Dabei nutzten sie aus der Luft gefertigte Radaraufnahmen der Jahre 2004 und 2005, die auf große Asche- und Steinschichten in 100 bis 700 Meter Tiefe hindeuteten. Es handelte sich um das erste Indiz für einen Ausbruch unter der Eisdecke überhaupt. Die Eruption, die ein großes Loch in die Eisschicht sprengte, führte vermutlich zu einer örtlichen Gletscherschmelze und beeinflusste auch die Strömungen an benachbarten Gletschern, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Geoscience".

Die Hitze, die von dem Vulkan ausgeht, habe möglicherweise zu dem in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommenen Abschmelzen des Gletschereises in der Gegend beigetragen, sagte der zweite Autor der Studie, David Vaughan. Den weitaus größeren Effekt habe aber vermutlich die Erderwärmung. Das generelle Dünnerwerden des Gletschereises in der Westantarktis könne nicht durch Vulkanhitze erklärt werden.

Schon seit mehr als 30 Jahren beobachten Wissenschaftler den Pine-Island-Gletscher. Etwa alle fünf bis zehn Jahre schickt er einen großen Eisberg aufs Meer - im Grunde ein natürlicher Vorgang. Zuletzt geschah dies 2001 und im Herbst 2007. Damals brach ein Stück los, das nahezu der Fläche von New York City entsprach. Ein neues Satellitenfoto zeigt Risse im Gletscher, die belegen, dass das Eis weiter Richtung Meer rutscht.

Laut einer Studie des British Antarctic Survey und des University College London hat der westantarktische Eisschild von 1992 bis 2001 allein am Pine-Island-Gletscher rund 31 Kubikkilometer Eis verloren. Das Ausdünnen des Eispanzers habe dazu geführt, dass sich der Gletscher in dieser Zeit mehr als fünf Kilometer ins Landesinnere zurückgezogen hat, berichteten die Wissenschaftler. Sie befürchten, dass dies den Anstieg der Meeresspiegel beschleunigen könnte.

hda/AFP



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