Ausdauervermögen Zugvögel dopen mit Spezialfett

Beim Sandstrandläufer ersetzt die reichliche Kost von Omega-3-Fettsäuren ein Ausdauertraining. Der aus Kanada stammende Zugvogel meistert so problemlos den langen Flug nach Südamerika.


Kann bewusstes Essen die Ausdauer verbessern? Zumindest beim Sandstrandläufer, einem Zugvogel aus Nordamerika, funktioniert das, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Die Tiere flüchten jedes Jahr vor dem harten Winter nach Südamerika, machen vorher jedoch einen Zwischenstopp an der Ostküste Kanadas: An der Bay of Fundy ernähren sie sich zwei Wochen lang ausschließlich von Schlickkrebsen, die einen extrem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren haben. Allein durch diesen Futterbestandteil könnten sie ihre Leistung enorm steigern, berichten Jean-Michel Weber und seine Kollegen von der University of Ottawa im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology (Bd. 212, S. 1106).

Sandstrandläufer: Krebsdiät macht fit für Marathonflug
USFWS

Sandstrandläufer: Krebsdiät macht fit für Marathonflug

Fütterungsversuche bei Virginiawachteln bestätigten diesen Befund. Diese Vögel fliegen nur selten und lediglich über kurze Strecken, weshalb ihre Flügelmuskulatur nur schwach ausgebildet ist. Nach sechs Wochen strikter Schlickkrebsdiät seien die Wachteln jedoch fast genauso fit wie die Langstreckenflieger gewesen, schreiben die Wissenschaftler.

In den Versuchen fütterten die Forscher die Virginiawachteln sechs Wochen lang mit einer von zwei bestimmten Omega-3-Fettsäuren oder mit einem Mix der beiden Fettsäuren. Danach maßen sie den Sauerstoffverbrauch der Brustmuskeln. Dieser war enorm gestiegen, was auf eine entsprechende Leistungssteigerung der Muskeln schließen lässt. Zusätzlich überprüften die Wissenschaftler die Aktivität von vier Stoffwechselenzymen und stellten fest, dass die Werte zwischen 58 und 90 Prozent gestiegen waren und damit das Niveau der Sandstrandläufer erreichten.

Eine solche Verbesserung der Enzymaktivität ist selbst für Leistungssportler unmöglich: Nach sieben Wochen intensiven Ausdauertrainings können sie ihre Werte gerade einmal um 38 bis maximal 76 Prozent steigern. In anschließenden Studien wollen die Forscher klären, wie genau die Fettsäuren die Enzymaktivität ankurbeln.

Bereits seit einigen Jahren gilt es als erwiesen, dass Omega-3-Fettsäuren Arteriosklerose und damit der Verengung der Herzkranzgefäße vorbeugen können. Da dem menschlichen Körper ein Enzym fehlt, kann er bestimmte Omega-3-Fettsäuren nicht selbst herstellen, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Die Fettsäuren sind vor allem in Fischarten mit einem hohen Fettanteil wie Hering, Lachs oder Thunfisch enthalten, aber auch in vielen Pflanzenölen, zum Beispiel in Leinsamen- oder Walnussöl.

hda/ddp



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