Ausgerottet Mensch und Klima löschten die Mammuts aus

Die Zukunft der Säugetiere sieht düster aus. Forscher warnen, dass das Zusammenspiel aus weltweiter Klimaveränderung und Bedrohung durch den Menschen einer Vielzahl von Tierarten den Garaus machen könnte. Bereits einmal hat sich diese Kombination als Killer erwiesen - bei den Mammuts.


Mammut-Skelett: Erst vom Klima, dann vom Menschen gejagt
REUTERS

Mammut-Skelett: Erst vom Klima, dann vom Menschen gejagt

Vor 50.000 Jahren war die Zeit der Riesensäuger: Vertreter mehr als 150 unterschiedlicher Arten, eine jede schwerer als 44 Kilogramm, streiften damals über die Erde. Doch 40.000 Jahre später bot sich ein ganz anderes Bild. Zwei Drittel aller großen Säugetierarten waren vom Globus verschwunden - darunter Mammuts und Ur-Elefanten, Riesenfaultiere und Säbelzahntiger.

Die Frage, die sich Forscher seit langem stellen: Was hat das gewaltige Sterben ausgelöst? Klimatische Veränderungen? Die zunehmende Jagd durch den Menschen? Oder vielleicht beides?

Anthony Barnosky und Kollegen sind überzeugt, nun eine Antwort gefunden zu haben, wie sie im Fachmagazin "Science" berichten. Doch erst die Kombination von Beweisen aus der Archäologie, der Paläontologie, der Klimaforschung und der Ökologie hätte geholfen, die Schuldfrage zu klären.

Blitzkrieg gegen alle Kreaturen

"Bislang wurde viel darüber spekuliert, dass Menschen die Ausrottung ausgelöst haben, indem sie wie in einem Blitzkrieg alle Kreaturen töteten", sagt Barnosky, ein Paläobiologe an der University of California. "Ein genauer Blick auf die Indizien zeigt jedoch, dass die Menschen zwar die Hauptschuld tragen, klimatische Veränderungen aber auch ihren Teil zum Massensterben beigesteuert haben."

So verabschiedeten sich einige Riesentiere wie der Kurznasige Bär, mit bis zu vier Metern Länge das größte Landraubtier der Eiszeit, oder das Mammut in Alaska, lange bevor die ersten Menschen in diesen Regionen auftauchten. Auch Elefanten und Nilpferde, die sich gut an die vorhergehende Warmzeit angepasst hatten, überstanden die plötzliche Eiszeit vor rund 45.000 Jahren nicht.

Erst später, als vor 11.500 Jahren die kalte Zeit zu Ende ging und die Temperaturen abrupt kletterten, kamen auch die Menschen im großen Maßstab ins Spiel. Die steinernen Speerspitzen, die die Jäger auf einmal benutzten, machten zusammen mit der Wärme auch den letzten Mammuts den Garaus. Pferde und Kamele, Pekaris und Riesenfaultiere folgten.

Immenser Flächenbedarf

Eine ähnliche Katastrophe könnte auch heute wieder drohen: Derzeit ändert sich das Klima deutlich schneller als zum Ende der Eiszeit - und der Mensch hat durch seinen Jagdtrieb, vor allem aber durch seinen immensen Flächenbedarf, bereits viele Tierarten stark dezimiert.

Die rücksichtslosen Menschen machen dabei besonders den größeren Tieren zu schaffen; die kleineren sind, so Barnosky, eher ein "Kollateralschaden". Das Klima dagegen wirkt sich übermäßig auf die kleinen Mitglieder des Tierreichs aus - worunter im Zuge der Nahrungsketten auch die Riesen leiden. "Zusammen dürften Klimawandel und menschliche Aktivitäten somit", berichtet der Biologe, "zu einem unvermeidlichen Massensterben führen und das gesamte Ökosystem dramatisch verändern."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.