Ausgrabung bei Gießen Goldener Pferdekopf aus Römerzeit entdeckt

Archäologen haben in einer einstigen Römerstadt nahe Gießen Reste eines 2000 Jahre alten Reiterstandbilds entdeckt. In einem Brunnen stießen sie auf einen lebensgroßen Pferdekopf und einen Schuh des Reiters. Das Deutsche Archäologische Institut sprach von einem "sensationellen Fund".

Archäologie-Studenten an einer Ausgrabungsstelle im mittleren Lahntal: "Man muss sich darum kümmern, dass das Gold darauf bleibt"
dpa

Archäologie-Studenten an einer Ausgrabungsstelle im mittleren Lahntal: "Man muss sich darum kümmern, dass das Gold darauf bleibt"


Gießen - Gegraben wird in Waldgirmes bei Gießen seit Jahren. Immer wieder entdecken Archäologen dabei neue Spuren der Römer. Am 12. August ist ihnen jedoch offenbar ein ganz besonderer Fund geglückt: In einem Brunnen stießen sie auf einen lebensgroßen Pferdekopf einer vergoldeten bronzenen römischen Reiterstatue sowie einen Schuh des Reiters. Ein kleineres Puzzlestück, womöglich von derselben Statue, hatten Wissenschaftler bereits im April aus der Erde geholt (siehe Fotostrecke).

"Einen Fund solcher Qualität und Erhaltung hat es in Deutschland bisher nicht gegeben", teilte das Deutsche Archäologische Institut mit. Zwar sei vor längerer Zeit auch in Augsburg ein Pferdekopf gefunden worden. Der sei aber nicht so aufwendig gearbeitet wie der Fund von Waldgirmes.

Nach der Entdeckung habe man die Statuenreste zunächst konservatorisch versorgen müssen, sagte Eveline Grönke vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Man muss sich darum kümmern, dass das Gold darauf bleibt". Erst danach hätte man den Fund eingehender untersuchen können. Am Donnerstag soll er der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

Nach ersten Untersuchungen gehören die Fundstücke zu einem Reiterstandbild des Kaisers Augustus, der ab 27 vor Christus 40 Jahre lang regierte. Aufgrund der Fundlage ergebe sich die einzigartige Möglichkeit, die Statue auf wenige Jahre genau zu datieren und einen Zusammenhang zu den Ereignissen im Umfeld der Varusschlacht vor 2000 Jahren herzustellen, heißt es in einer Mitteilung des Deutschen Archäologischen Instituts.

"Der Fund hat auf alle Fälle mit der Varusschlacht zu tun", sagte Grönke vom Landesamt für Denkmalpflege. Bei dem auch Schlacht im Teutoburger Wald genannten Gemetzel hatten im Jahr 9 germanische Krieger eine ganze römische Armee aufgerieben. Nach der Niederlage zogen sich die Römer aus den rechtsrheinischen Gebieten Germaniens zurück und zerstörten vieles, was sie nicht mitnehmen konnten - womöglich auch die Statue.

hda/dpa/ddp



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