Asteroiden-Crash mit tödlichen Folgen Der Dino-Killer

Ein Asteroid löste vor 66 Millionen Jahren ein Massensterben aus. Eine 3D-Simulation soll nun das letzte Rätsel um das Ende der Dinosaurier gelüftet haben.
Künstlerische Darstellung des Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren: Der Krater hat einen Durchmesser von knapp 200 Kilometern

Künstlerische Darstellung des Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren: Der Krater hat einen Durchmesser von knapp 200 Kilometern

Foto: Chase Stone/ DPA

Der tödliche Einschlag kam aus Nordosten: Vor 66 Millionen Jahren schlug ein riesiger Asteroid auf dem Gebiet des heutigen Mexiko ein und löste ein Massensterben auf der Erde aus. Er hinterließ einen Krater mit einem Durchmesser von 200 Kilometern.

Besonders verheerend war der Gesteinsbrocken aus dem All nicht nur wegen seiner Größe, sondern vor allem wegen seines Einschlagwinkels. Der betrug etwa 60 Grad, was die Menge an Gasen erheblich erhöhte, die in die Atmosphäre geschleudert wurden und in der Folge das Weltklima veränderten, heißt es in einer Studie, die im Fachmagazin "Nature Communications"  erschienen ist.

Ein solcher Winkel sei besonders tödlich, erklärt Studienleiter Gareth Collins vom Imperial College in London. Vor allem winzig kleine Schwefelpartikel blockierten die Sonnenstrahlen, was zu einer starken Abkühlung der Erde und zum Aussterben der Dinosaurier führte.

Das Forscherteam aus Großbritannien, Deutschland und den USA untersuchte den Chicxulub-Einschlagkrater bei Mexiko und simulierte daraufhin den Aufprall. "Unsere Simulationen liefern überzeugende Beweise dafür, dass der Asteroid in einem steilen Winkel eingeschlagen ist", so Studienautor Collins. Die Forscher stimmten ihre 3D-Simulationen mit den Erkenntnissen einer Untersuchung des Kraters ab. Dafür entnahmen sie einen Bohrkern aus mehr als 1300 Metern Tiefe. Mittlerweile ist der Einschlagkrater von einem Kilometer Sedimenten bedeckt.

Simulation des tödlichen Einschlages: Jahrelange Dunkelheit

Das Forscherteam simulierte den Einschlag unter verschiedenen Einschlagwinkeln (90, 60, 45 und 30 Grad) und untersuchte die verschiedenen Aufprallgeschwindigkeiten des Asteroiden. Durch Abgleiche mit Messdaten zum Chicxulub-Krater bestimmten sie den wahrscheinlichsten Ablauf: Demnach schlug der Asteroid, der einen Durchmesser von 17 Kilometern hatte, in einem Winkel von etwa 60 Grad mit einer Geschwindigkeit von 43.200 Kilometern pro Stunde ein. Bei einem flacheren Einschlagwinkel als 45 Grad hätte kein vollständiges inneres Ringgebirge im Krater entstehen können, schreiben die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse passen zum Massenaussterben am Ende der Kreidezeit – damals verschwanden etwa 75 Prozent aller Arten. "Für die Dinosaurier ist genau das Worst-Case-Szenario passiert: Der Asteroidenschlag setzte eine unglaubliche Menge klimawandelnder Gase in die Atmosphäre frei und löste eine Reihe von Ereignissen aus, die zum Aussterben der Dinosaurier führten", sagt Collins.

Ulrich Riller von der Universität Hamburg, der ebenfalls zur Forschungsgruppe der Chicxulub-Expedition gehört, spricht von einem "tödlichen Winkel". "Die Tatsache, dass sogenannte Evaporite, insbesondere Gipse, in den Bohrkernen fehlen, wird dadurch erklärt, dass die Verdampfung solcher Gesteine bei einem Einschlagswinkel von 60 Grad am größten ist", so Riller. Damit seien beim Einschlag des Meteoriten riesige Mengen giftiger Sulfatgase, Wasserdampf und Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt und hätten die Sonne für mehrere Jahre verdunkelt.

Ende eines langen Forscher-Rätsels

Bereits in einer Studie vom vergangenen Jahr hatten Forscher der Universität Texas (USA) mit Untersuchungen an einem Bohrkern aus dem Einschlagskrater des Asteroiden rekonstruiert, was in den ersten Stunden nach dem Ereignis passiert ist.

Nur 24 Stunden später hatte sich am Rand des Kraters eine 130 Meter dicke Schicht aus Staub, Erde und Holzkohle aufgetürmt. Zudem bahnte sich ein Tsunami den Weg Richtung Küste. Die Megawelle könnte bis weit ins Innere der umliegenden Kontinente vorgedrungen sein, glauben die Forscher. Gleichzeitig breiteten sich riesige Feuer aus. Als sich das Wasser zurückzog, riss es die durch die Brände entstandene Holzkohle mit sich und lagerte diese am Rand des Kraters ab.

Besonders ein Detail verblüffte die Forscher schon damals: Manches Gestein im Bohrkern enthielt weniger als ein Prozent Schwefel, obwohl das Gestein ursprünglich zu 50 Prozent aus dem Stoff bestand. Die Erklärung der Forscher: Durch den Aufprall müssen Schwefelverbindungen in großen Mengen verdampft und in die Atmosphäre gelangt sein.

Das bestätigten nun die Untersuchungen des Forscherteams um Gareth Collins. Mit dem Einschlagswinkel ist nun das letzte Rätsel um das Massensterben geklärt, glauben die Forscher.

sug/afp/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.