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Megafauna-Aussterben: Klimawandel dezimierte Mastodons

Foto: George Teichmann

Nordamerika Warum verschwand das Mastodon?

Der Mensch hat das Mastodon in Nordamerika auf dem Gewissen - so lautet eine verbreitete Theorie zum Aussterben des Rüsseltiers. Neue Indizien aber weisen auf eine andere Ursache.

Als die letzte Eiszeit vor rund 10.000 Jahren zu Ende ging, war es in Nordamerika auch mit vielen Tierarten vorbei: Rund 70 Säuger starben aus, darunter das Riesenfaultier, das Riesengürteltier und das Amerikanische Mastodon. Der Verdacht liegt nahe, dass der Mensch dafür verantwortlich war - denn das Verschwinden der Giganten fiel zeitlich mit der Ankunft von Homo sapiens in Nordamerika zusammen.

Doch eine neue Studie legt nahe, dass der Mensch zumindest am Aussterben des Mastodons in Nordamerika weitgehend unschuldig war. Das Verschwinden von Mammut americanum setzte demnach schon Zehntausende Jahre früher aufgrund von Klimaveränderungen ein, schreiben Grant Zazula von der Regierung des nordkanadischen Yukon-Territoriums im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Die frühesten Funde des Mastodons sind etwa 3,5 Millionen Jahre alt, stark verbreitet war das stämmige Rüsseltier vor etwa 125.000 bis vor rund 10.000 Jahren. Damals reichte der Lebensraum je nach klimatischen Bedingungen von Alaska bis ins heutige Honduras.

Ist der Mensch dem Mastodon im Norden nie begegnet?

Zwei frühere Studien hatten Mastodon-Zähne, die aus dem Yukon-Gebiet stammen, mit der Radiokarbon-Methode auf ein Alter von etwa 18.000 Jahren datiert. Damit hätte das Mastodon mitten in der letzten Eiszeit nahe der Arktis gelebt. Doch das bezweifeln Zazula und seine Kollegen. Denn das Mastodon sei - anders als das auf Gräser und Sträucher spezialisierte Wollhaarmammut - auf Waldgebiete spezialisiert gewesen. "Mit den Zähnen konnten Mastodons Zweige, Blätter und Stile gut von Büschen und Bäumen abstreifen", erklärt Paläontologe Zazula. "Deshalb scheint es unwahrscheinlich, dass sie während der letzten Eiszeit in den eisbedeckten Regionen von Alaska und Yukon überleben konnten."

Die Forscher datierten nun 36 Mastodon-Zähne und -Knochen erneut per Radiokarbon-Methode. Das Alter sämtlicher Fossilien lag letztlich nahe oder jenseits der Zeitspanne von etwa 50.000 Jahren, innerhalb der dieses Datierungsverfahren brauchbar ist. Dass manche Mastodon-Fossilien aus dem Yukon-Gebiet als jünger eingestuft worden waren, führen die Forscher auf Verunreinigungen der Funde zurück.

Die Wissenschaftler leiten aus der Untersuchung ab, dass Mastodons zwar während der Warmzeit vor etwa 125.000 Jahren die Region nahe der Arktis bewohnten vor 75.000 Jahren aber wieder von dort verschwanden, als die Nadelwälder durch Steppentundra verdrängt wurden - also Zehntausende Jahre vor der Ankunft der ersten Menschen, die aus Asien über die Beringstraße kamen. Danach lebten die Mastodons in südlicheren Gegenden, vor allem an den Großen Seen.

Unterschiedliche Gründe an unterschiedlichen Orten

Dort verschwanden die letzten Vertreter dieser Art vermutlich vor rund 10.000 Jahren. Möglicherweise wurden ihnen erneut Klimaveränderungen zum Verhängnis, oder sie fielen der Jagd durch den Menschen zum Opfer. In jedem Fall aber sei klar, "dass die Faktoren, die direkt zum Aussterben der arktischen und subarktischen Mastodon-Populationen geführt haben, nicht die gleichen waren wie jene, die ihr endgültiges Aussterben südlich der kontinentalen Eisschilde verursachten", schreiben Zazula und seine Kollegen. Ein ähnliches Schicksal könnte auch das Riesenfaultier oder den Riesenbiber ereilt haben.

"Wir behaupten nicht, dass Menschen am Aussterben der Megafauna vor etwa 10.000 Jahren unbeteiligt waren", sagt Ross MacPhee vom American Museum of Natural History in New York, einer der Autoren der Studie. "Aber zu jener Zeit hatte die Mastodon-Population - was auch immer noch von ihr übrig war - ihren Lebensbereich zum Großteil auf das Gebiet der Großen Seen reduziert. Das ist etwas ganz anderes als die gängige Sicht, wonach menschliche Verheerungen den ganzen Verlust der Mastodons in ihrem gesamten Lebensraum innerhalb von ein paar hundert Jahren verursachten."

mbe/dpa