Australien Buschfeuer treiben CO2-Emissionen in die Höhe

Die Brände in Australien haben schon halb so viel klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen wie die Wirtschaft des Landes im ganzen Jahr. Forscher warnen, dass sich die Emissionen kaum kompensieren lassen.
New South Wales in Australien: 2,7 Millionen Hektar Land sind bereits abgebrannt

New South Wales in Australien: 2,7 Millionen Hektar Land sind bereits abgebrannt

Foto: Dean Lewins/AAP/dpa

Die Menge an CO2, die durch die Buschfeuer in Australien seit August freigeworden ist, entspricht der Hälfte der Treibhausgasemissionen, die Kraftwerke, Industrie und Verkehr des Landes zusammen in einem Jahr ausstoßen. Experten fürchten, dass diese zusätzlichen Emissionen selbst innerhalb von Jahrzehnten nicht ausgeglichen werden können.

Laut Analysen der Nasa haben die Brände zwischen August und Mitte Dezember insgesamt rund 240 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gebracht, 195 Millionen Tonnen davon entfallen auf den Bundesstaat New South Wales, weitere 55 Millionen auf den Bundesstaat Queensland im Nordosten des Kontinents. Die jährlichen Treibhausgasemissionen der australischen Wirtschaft beliefen sich 2018 auf 532 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Deutschland verursachte im selben Zeitraum etwa 866 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen.

Die Schätzungen basieren auf Auswertungen der globalen Datenbank für Brandemissionen der Nasa. Dort fließen Daten von Satelliten ein, die Brandherde aufspüren. Anhand der Größe und der Vegetation werden die durch die Brände verursachten Emissionen mittels historischer Daten geschätzt. Die Methode ist neu und mit Unsicherheiten verbunden, sagte Niels Andela vom Nasa Goddard Space Flight Center dem "Guardian".  Sie decken sich aber in etwa mit den Angaben australischer Behörden zu den Brandemissionen der vergangenen Jahre.

Buschfeuer theoretisch klimaneutral

Dass es in Australien zu dieser Jahreszeit brennt, ist normal, und theoretisch sind Buschfeuer - im Gegensatz zum Verbrennen fossiler Energieträger - klimaneutral, weil die nachwachsenden Pflanzen langfristig genauso viel Kohlendioxid speichern wie bei einem Brand freigesetzt wird. Bei Gras- und Savannenlandschaft geht das besonders zügig. Die schnell wachsenden Gräser gleichen die Emissionen durch einen Brand in der Regel innerhalb weniger Jahre aus, sagt Andela.

Die Feuersaison traf den australischen Bundesstaat New South Wales in diesem Jahr jedoch besonders heftig. Normalerweise lodern die ersten australischen Feuer erst im Dezember. In diesem Jahr begannen sie bereits im Oktober, einige Brandherde schwelen sogar seit dem Frühjahr. Langanhaltende Trockenheit und heftige Winde fachen die Brände weiter an. Hinzu kommen lebensgefährliche Feuerwolken. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Bis Mitte Dezember war laut Nasa eine Fläche von gut 2,7 Millionen Hektar abgebrannt, das entspricht etwa der Hälfte des Staatsgebiets der Schweiz.

Doch nicht nur die Größe der Feuer allein ist im Vergleich zu den Vorjahren außergewöhnlich. In diesem Jahr brennen ungewöhnlich viele Regenwälder, in denen eigentlich nur selten Feuer ausbrechen.

Bis sich diese Wälder regenerieren und die durch den Brand freigesetzten Emissionen ausgeglichen haben, vergehen wahrscheinlich Jahrzehnte. In dieser Zeit fehlen die Wälder als wichtige CO2-Speicher. Einige Experten bezweifeln sogar, dass sich die Wälder überhaupt wieder vollständig erholen.

Eine Ursache für das außergewöhnlich warme und trockene Jahr in Australien ist eine natürlich vorkommende Anomalie der Meeresoberflächentemperatur im Indischen Ozean, der sogenannte Indische-Ozean-Dipol (IOD). Dadurch ist das Wasser vor der Küste Sumatras derzeit außergewöhnlich kühl, was zu einem geringeren atmosphärischen Druck und geringeren Niederschlägen in Australien führt.

Klimaforscher rechnen damit, dass sich solche Phasen des IOD durch den Klimawandel häufen werden. Wälder könnten dadurch häufiger unter Trockenstress leiden, warnen Experten. "Bäume wachsen unter diesen Umständen viel langsamer und sind anfälliger für Brände", sagte David Bowman, Brandexperte von der University of Tasmania.

So ist die Situation in Sydney

Der australische Premierminister Scott Morrison lehnt strengere Klimaschutzziele dennoch ab. Er gilt seit langem als Unterstützer der Kohleindustrie. Australien ist der größte Kohleexporteur der Welt - mit einem Volumen von umgerechnet etwa 41,8 Milliarden Euro. Während der Klimakonferenz Mitte Dezember in Madrid hatte Australien eine Einigung beim CO2-Zertifikatehandel blockiert.

Für die Region um Sydney gilt mittlerweile der Ausnahmezustand. Die eigentlichen Feuer liegen zwar noch gut 70 Kilometer entfernt, doch seit Wochen versinkt die Millionenmetropole immer wieder in dichtem Rauch. Behörden stufen die Luftqualität als gefährlich ein. Viele Pendler schützen sich mit Atemmasken. Einige Ärzte warnen, die Krankenhäuser seien nicht ausreichend auf Notfälle vorbereitet.

Im Video: So kämpfen Feuerwehrleute gegen die Flammen

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Zudem drohen Flächenbrände im Nordwesten und Südwesten die Stadt einzukesseln. Das Dorf Balmoral, gut anderthalb Autostunden südwestlich von Sydney, wurde fast vollständig zerstört. Das zweite Großfeuer wütet bei Gospers Mountain im Nordwesten Sydneys. Seit Oktober hat es mehr als 450.000 Hektar Land niedergebrannt. Aufnahmen zeigen, wie sich die Flammen eine hohe Klippe in den Blue Mountains hinauffressen.

Anwohner fürchten, die beiden Brände könnten zu einem Großfeuer verschmelzen. Behörden riefen Urlauber am Samstag auf, Sydney nicht zu verlassen. Wichtige Zugstrecken Richtung Canberra und Melbourne blieben gesperrt.

Feuerwerk soll trotzdem stattfinden

Angesichts der Buschbrände wurden Stimmen laut, das alljährliche Feuerwerk in Sydney abzusagen und das dafür geplante Geld für die Bekämpfung der Feuer zu spenden. Die zuständigen Behörden lehnen dies jedoch ab . Der Großteil des Geldes sei ohnehin schon ausgegeben, so die Begründung. Eine Absage der Veranstaltung würde zudem den Unternehmen der Stadt erheblich schaden. Zehntausende Besucher reisten in die Stadt, um das Feuerwerk mitzuerleben.

Eine Entspannung ist derweil nicht in Sicht. Auch in den kommenden Tagen rechnen Meteorologen mit überwiegend trockenem, heißem Wetter.

Zusammengefasst: Die Buschbrände in Australien haben in diesem Jahr außergewöhnlich viele Waldflächen zerstört. Es wird Jahrzehnte dauern, bis nachwachsende Bäume die dabei freigewordenen Emissionen wieder ausgleichen können. Einige Experten fürchten sogar, dass sich die Wälder nicht vollständig erholen. Noch sind die Flammen gut 70 Kilometer von Sydney entfernt, doch seit Wochen ist die Metropole immer wieder in gesundheitsschädlichen Rauch gehüllt. Das für Silvester geplante Feuerwerk soll trotzdem stattfinden.

koe