Rätselhafte Vegetationslücken Das Geheimnis der Feenkreise

Schon lange diskutieren Forscher über den Ursprung von Grasringen in Westafrika und Australien. Nun ergibt eine Studie zu diesen Feenkreisen: Insekten verursachen die Kahlstellen wohl nicht.

Stephan Getzin

Manchmal gibt es Phänomene in der Natur, die beschäftigen Forscher jahrelang. Die Feenkreise sind so eines. Über den Ursprung der manchmal kreisrunden kahlen Stellen, die in den trockenen Graslandschaften von Afrikas Namib-Wüste entdeckt wurden, sind sich Wissenschaftler schon lange uneins.

Warum sich solche vegetationslosen Formationen bilden, die erst vor wenigen Jahren auch in Australien nachgewiesen wurden, darüber gibt es verschiedene Theorien.

Eine besagt: Für die Entstehung der Kreise sind Termiten oder ähnliche Insekten verantwortlich, die sich eine clevere Taktik zurechtgelegt haben. Sie leben im Boden und fressen die Wurzeln von Pflanzen ab, damit diese der Erde keine weitere Feuchtigkeit entziehen und so mehr Wasser für die Insekten übrig bleibt. In der Folge reichert sich an den Kahlstellen mehr Wasser im Boden an, wenn Niederschläge gefallen sind. Und das auch noch nach Jahren. Deshalb bevölkern die Tiere die Erde unter den Stellen weiterhin.

Zudem spekulierten Forscher schon über den Einfluss von giftigen Pflanzen, Erdgasen oder Meteoriten bei der Entstehung des Phänomens. Doch zumindest für die Feenkreise in Australien sind sich Wissenschaftler nun sicher: Termiten sind wohl nicht daran beteiligt. Das berichtet ein Team um den Biologen Stephan Getzin von der Universität Göttingen im Fachblatt "Ecosphere". Für die Untersuchung studierten sie 48 Feenkreise in der Region um die Ortschaft Newman im Westen von Australien und gruben in dem Gebiet nach Insekten. Zudem wurden bei der Kartierung der Flächen Drohnen eingesetzt.

Durch Insekten wie Erntetermiten entstehen in vielen Teilen von Australien charakteristische Lücken im Bewuchs. Solche Spuren müssten sich auch nahe der Kreise finden, wenn die Tiere für die Entstehung verantwortlich sein sollten. Das war aber nicht der Fall.

Starkregen, extreme Hitze, Verdunstung

"Die von Erntetermiten verursachten Vegetationslücken sind nur etwa halb so groß wie die Feenkreise und deutlich weniger geordnet", so Getzin. Auch harte, unterirdische Termitennester, die anderswo in Australien das Graswachstum verhindern, habe man in den meisten Fällen nicht gefunden, heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Zwar könnten Termitenbauen im Gebiet der Feenkreise auftreten. Doch bei der Entstehung dürften andere Prozesse ausschlaggebend sein: Vermutlich spielten alleine solche zwischen den Pflanzen und den Böden eine Rolle.

Das zeigte auch eine Studie von 2016. Demnach ist die Formation vereinfacht gesagt eine Folge des Kampfs von Pflanzen um Wasser und Nährstoffe. Gräser ordnen sich aufgrund der extremen Wasserknappheit so an, dass sie möglichst günstig um die wasserreicheren Böden stehen und besonders viel abbekommen. Am meisten Flüssigkeit für alle Pflanzen gebe es nur dann, wenn die Gräser kreisförmig angesiedelt sind.

Auch Computersimulationen ergaben eine kreisrunde Anordnung

Die Pflanzen seien also in der Lage, sich im Kampf um die knappe Resource Wasser selbst zu organisieren. Darauf hatten auch Computersimulationen hingedeutet, die die optimale Verteilung für die Pflanzen errechnen sollten. Dabei entstanden tatsächlich ähnliche kreisförmige Kahlstellen. Auch die Kombination dieser und der Termiten-Hypothesen wurde bereits erwogen.

Doch noch immer sind nicht alle Prozesse, die bei der Entstehung der Feenkreise eine Rolle spielen, bekannt. Deshalb wird es wohl auch in Zukunft weitere Studien zu dem Phänomen geben.

joe



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