Hitzewelle Australien erlebt heißesten Tag der Geschichte

40,9 Grad Celsius im landesweiten Durchschnitt und kein Regen: Australien plagt eine außergewöhnliche Hitzewelle. Und die Temperaturen sollen weiter steigen.
Langanhaltende Trockenheit und heftige Winde fachen die Buschbrände in Australien immer wieder an.

Langanhaltende Trockenheit und heftige Winde fachen die Buschbrände in Australien immer wieder an.

Foto: Dean Lewins/AAP/dpa

In Australien ist es gerade so warm wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1910. Laut einer Analyse des australischen Wetterdienstes lag die durchschnittliche Maximaltemperatur am Dienstag bei 40,9 Grad. Der bisherige Rekord betrug 40,3 Grad und wurde im Januar 2013 gemessen. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen im ganzen Land sind das genaueste Maß für eine Hitzewelle.

Die aktuellen Temperaturen liegen bis zu 16 Grad über dem langjährigen Durchschnitt. Meteorologen rechnen damit, dass die Temperaturen am Mittwoch weiter steigen werden. Für Oodnadatta, eine Kleinstadt mit 200 Einwohnern im Süden Australiens, sind Temperaturen von bis zu 47 Grad Celsius vorhergesagt. Laut dem australischen Wetterdienst ist er damit einer der heißesten Orte der Welt.

Doch nicht nur Hitze plagt den Kontinent, sondern auch langanhaltende Trockenheit und Buschfeuer. Der Frühling - in Australien die Monate September bis November - war der trockenste und zweitheißeste, der je gemessen wurde. Die Brandgefahr sei derzeit in 95 Prozent des Landes erhöht, warnt der australische Wetterdienst. Normalerweise lodern die ersten australischen Feuer erst im Dezember. In diesem Jahr begannen sie bereits im Oktober. Langanhaltende Trockenheit und heftige Winde fachen die Brände weiter an.

In New South Wales kämpfen 1600 Feuerwehrleute bei großer Hitze und Wind gegen rund hundert Buschfeuer

In New South Wales kämpfen 1600 Feuerwehrleute bei großer Hitze und Wind gegen rund hundert Buschfeuer

Foto: Jeremy Piper/AAP/dpa

Bis Mitte Dezember ist laut Satellitendaten der Nasa eine Fläche von gut 2,7 Millionen Hektar abgebrannt, das entspricht etwa der Hälfte des Staatsgebiets der Schweiz. Ganze Städte sind in Qualm gehüllt. Auch Sydney ist betroffen. Es ist wahrscheinlich, dass die Brände noch mindestens bis März anhalten werden. Zu dieser Jahreszeit kommt es ohnehin häufig zu Buschfeuern.

Eine Ursache für das außergewöhnlich warme und trockene Jahr in Australien ist eine natürlich vorkommende Anomalie der Meeresoberflächentemperatur im Indischen Ozean, der sogenannte Indische-Ozean-Dipol (IOD). Dadurch ist das Wasser vor der Küste Sumatras derzeit außergewöhnlich kühl, was zu einem geringeren atmosphärischen Druck und geringeren Niederschlägen in Australien führt. Klimaforscher rechnen damit, dass sich solche Phasen des IOD durch den Klimawandel häufen werden.

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Kritik am Premierminister: "Wo zur Hölle bist du?"

Während viele Menschen mit den Folgen der Hitze zu kämpfen haben, gerät Premierminister Scott Morrison unter Druck. Kritiker werfen ihm vor, während der verheerenden Brände nicht genug getan zu haben. Als lokale Medien berichteten, dass der 51-Jährige auf Hawaii Urlaub gemacht haben soll, verschärfte sich der Ton. Auf Twitter forderten Australier seinen Rücktritt - immer wieder mit den Hashtags versehen: #WhereTheBloodyHellAreYou, #WhereisScoMo und #FireMorrison.

Morrison gilt als Klimaskeptiker. Mehrfach hatte er betont, dass es "keinen glaubhaften Beweis" für den Zusammenhang zwischen Klimakrise und den Buschbränden gebe.

Erst ab Freitag werden kühlere Temperaturen erwartet. Meteorologen rechnen aber damit, dass auch die kommenden Monate im Südosten und Nordosten Australiens trockener werden als üblich.

koe/bam/Reuters