Meldungen über fast ausgestorbene Tierart Wie schlimm steht es um Australiens Koalas?

Die Buschbrände in Australien haben die Koalas an den Rand des Aussterbens gebracht - diese Meldung geht derzeit um die Welt. Tatsächlich gehen die Schätzungen der Population weit auseinander.

Dieser Koala wurde aus einem brennenden Naturschutzgebiet gerettet
Stefica Nicol Bikes/ REUTERS

Dieser Koala wurde aus einem brennenden Naturschutzgebiet gerettet

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Koalas gehören neben den Kängurus zu den bekanntesten Wahrzeichen von Australiens Tierwelt. Mit ihrem braun-grauen Puschelfell und den Knopfaugen gelten sie als Inbegriff der Niedlichkeit. Entsprechend sorgenvoll wurde eine Nachricht aufgenommen, die zuletzt weltweit verbreitet wurde: Laut der Australian Koala Foundation (AKF) haben die verheerenden Buschbrände auf dem Kontinent die kleinen Geschöpfe an den Rand des Aussterbens gebracht.

Etwa tausend Tiere seien den Flammen, die vor allem in den Bundesstaaten Queensland und New South Wales im Osten des Landes wüteten, zum Opfer gefallen. Zudem hätten die Feuer rund 80 Prozent der Koala-Lebensräume zerstört. Obwohl die Umweltschutzorganisation von etwa 80.000 Tieren ausgeht, die vor den Feuern auf dem Kontinent gelebt hätten, hieß es laut AKF in einem Bericht, dass die Tiere nun "funktionell ausgestorben" seien. Auch zahlreiche deutsche Medien griffen das Thema auf.

Fachleute sprechen von funktionalem Aussterben, wenn eine Population so dezimiert wird, dass sie in ihrem Ökosystem praktisch keine Rolle mehr spielt und sie langfristig nicht mehr lebensfähig ist. Um die Fortpflanzung zu sichern, benötigt eine Gruppe beispielweise eine ausreichend große Varianz an Genen. Fehlt dieser Genpool, weil die Gruppe zu klein ist, kann es beispielweise zu Inzucht mit negativen Folgen für Gesundheit der Tiere kommen.

Grundsätzlich ist es um den Zustand der Koalas (Phascolarctos cinereus) schlecht bestellt. Die Populationen der Beutelsäuger gehen seit Jahren zurück, wenn auch nicht in allen Regionen Australiens in gleichem Maße. Vor Beginn der europäischen Besiedlung des Kontinents 1788 sollen mehr als zehn Millionen Tiere in Australien gelebt haben. Doch Studien zufolge hat die Zahl allein im Bundesstaat New South Wales in den vergangenen 20 Jahren um ein Viertel abgenommen. Das teilte die australische Regierung im vergangenen Jahr mit.

Das Problem ist aber: Wie viele der unauffälligen Tiere derzeit in etwa in Australien leben, ist nicht bekannt. "Es gibt keine genauen Zahlen zur Population der Koalas in freier Wildbahn. Die Tiere sind sehr schwer zu zählen", sagt die Veterinärmedizinerin Rachael Tarlinton von der britischen University of Nottingham. Koalas bewegen sich in den Baumkronen auf einem großen Territorium und sind sowohl in ländlichem wie auch auf urbanem Gebiet anzutreffen.

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Buschtour in Australien: Auf den Spuren der Koalas

Pessimistische Schätzungen gehen von weniger als 100.000 Tieren aus. Eine Studie aus dem Fachjournal "Diversity and Distributions" kam dagegen auf 329.000 Tiere. Auch hier betonten die Forscher, dass es real sehr viel weniger, aber auch sehr viel mehr sein könnten (bis zu 600.000 Exemplare).

Klimawandel macht Koalas zu schaffen

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. Viele Koalas werden auf Landstraßen überfahren. Zudem führt der Rückgang der Wälder zu einem Verlust an Lebensraum für die Tiere, die den Großteil ihres Lebens auf Bäumen verbringen und sich fast ausschließlich von Blättern, Rinde und Früchten weniger Eukalyptusarten ernähren. Auch Krankheiten, die zur Unfruchtbarkeit führen, haben die Bestände dezimiert.

Dazu machen Hunde, Füchse oder Wildkatzen Jagd auf sie. Auch Dürren und Hitzewellen infolge der Klimaerwärmung machen den Tieren zu schaffen. In einigen Regionen von Queensland and New South Wales seien die Bestände deshalb bis zu 80 Prozent zurückgegangen, hatte eine Studie ergeben. Wegen der bekannten Probleme werden die Tiere auf der Roten Liste für bedrohte Tierarten, die die Weltnaturschutzunion ICUN herausgibt, als "vulnerable" ("gefährdet") eingestuft.

Ganz unberechtigt sind die Warnungen der Umweltschützer also nicht. "Die Koalas sind ohne Zweifel bedroht. Aber die Einschätzung der Australian Koala Foundation zu den Folgen der Waldbrände ist übertrieben", sagt Tarlinton. Nahezu ausgestorben sind sie also noch lange nicht. 2015 kam es im Bundesstaats Victoria sogar zu einer Plage.

Die Lobbygruppe AKF, die bereits im Mai ähnliche Behauptungen verbreitete hatte, würde bei ihren Schätzungen eher am unteren Ende der Zahlen zu den Beständen ansetzen, so Tarlinton.

Allerdings betont die Forscherin, dass sich in Zukunft etwas ändern müsse, um die Tiere zu schützen. "Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnten die Koalas in zehn bis 20 Jahren ernsthaft gefährdet sein", sagt sie.

Damit es nicht soweit kommt, unternimmt die Australische Regierung Maßnahmen zum Schutz der Tiere. Im vergangenen Jahr wurde etwa ein Programm beschlossen, bei dem umgerechnet mehr als 28 Millionen Euro für den Koalaschutz aufgewendet werden. Von dem Geld sollen beispielsweise Schutzgebiet und Begrenzungen an Straßen errichtet werden, die verhindern, dass die Tiere auf die Fahrbahn laufen und überfahren werden.

Doch die wichtigste Maßnahme besteht im Schutz des Lebensraums der Tiere. Dafür braucht es schlicht mehr Wald mit den bei Koalas beliebten Eukalyptusbäumen.



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