Ungewöhnliche Hilfsaktion Kot von Artgenossen rettet hungernde Koalas

In Australien drohten Koalas zu sterben, weil sie nicht mehr genug zu fressen fanden. Forscher transplantierten ihnen deshalb Stuhl von Artgenossen.

70 Prozent der Koalas im Gebiet Cape Otway im Südosten Australiens starben
Gemma Ferrando/ Westend61/ imago images

70 Prozent der Koalas im Gebiet Cape Otway im Südosten Australiens starben


Irgendwann waren alle Bäume kahl: Nachdem sich 2013 eine Koala-Population in der australischen Provinz Victoria massenhaft ausgebreitet hatte, wurde das Futter knapp. "Die Population hatte viele Bäume ihrer bevorzugten Art, des Rutenförmigen Eukalyptus (Eucalyptus viminalis), entlaubt, viele Bäume starben ganz ab ", schildert Michaela Blyton von der University of Queensland die Misere. 70 Prozent der Koalas starben. Hunderte wurden vorsorglich getötet, um sie vor dem Hungertod zu bewahren.

Selbst als die Koalas verhungerten, wechselten sie nicht die Baumart

Das Problem: Koalas sind sehr wählerisch, was ihre Nahrung betrifft. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Eukalyptus, viele von ihnen können sogar nur bestimmte Arten verdauen. "Selbst als die Koalas verhungerten, fraßen sie nicht von benachbarten Beständen des Messmate-Eukalyptus (Eucalyptus obliqua)", berichtet Blyton. Dabei ernähren sich andere Koala-Populationen ausschließlich von ihnen.

Theoretisch sind Koalas also in der Lage, auch diese Eukalyptusart zu verdauen - nur offenbar diese Koalas nicht. "Eine Hypothese, warum die Mehrheit der Koalas ihre Nahrung nicht umstellen kann, ist, dass ihre Darmflora sich nicht an das neue Futter anpassen kann", schreiben die Forscher im Fachblatt "BMC".

Das brachte die Wissenschaftler auf die Idee, den hungernden Koalas Stuhl von ihren Artgenossen zu transplantieren. Dafür sammelten sie deren Kot, pressten die darin enthaltenen Mikroorganismen in säureresistente Kapseln und verabreichten sie den Tieren.

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Stuhltransplantationen werden auch bei Menschen angewandt. Dabei wird speziell aufbereiteter Kot aus dem Darm eines Spenders in den eines Patienten verpflanzt, bei dem sich krankmachende Bakterien ausgebreitet haben. Ziel ist es, dass die gesunde Mikrobengemeinschaft des Spenders die kranke verdrängt.

Die Koala-Therapie schlug an. Nach der Kot-Übertragung fraßen viele der Koalas auch Messmate-Eukalyptus, allerdings wirkte die Behandlung nicht bei allen Tieren gleich gut. Die Forscher wollen nun herausfinden, woran das liegt.

"In Zukunft könnten solche Kapseln eingesetzt werden, um die Darmflora der Koalas anzupassen, wenn sie in sicherere und futterreichere Umgebungen umgesiedelt werden müssen", sind sich die Forscher dennoch sicher. Vor allem im Nordosten Australiens sind die Koala-Bestände gefährdet, in anderen Regionen sind die Tiere bereits ausgestorben.

koe

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